{"id":10013,"date":"2026-06-13T06:39:09","date_gmt":"2026-06-13T06:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-balg.de\/erbrecht-vermoegenszuwendung-erbeinsetzung-auslegung-ein-vermoegenserwerb-des-erblassers-nach-testamentserrichtung-kann-zum-fortfall-der-alleinerbenstellung-des-bedachten-nach-2087-ii-bgb-fuehren\/"},"modified":"2026-07-03T06:39:49","modified_gmt":"2026-07-03T06:39:49","slug":"erbrecht-vermoegenszuwendung-erbeinsetzung-auslegung-ein-vermoegenserwerb-des-erblassers-nach-testamentserrichtung-kann-zum-fortfall-der-alleinerbenstellung-des-bedachten-nach-2087-ii-bgb-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-balg.de\/?p=10013","title":{"rendered":"Erbrecht &#124; Verm\u00f6genszuwendung Erbeinsetzung Auslegung &#124; Ein Verm\u00f6genserwerb des Erblassers nach Testamentserrichtung kann zum Fortfall der Alleinerbenstellung des Bedachten nach \u00a7 2087 II BGB f\u00fchren"},"content":{"rendered":"\n<h1 id=\"h-olg-dusseldorf-beschluss-vom-05-08-2016-az-i-3-wx-74-16-spaterer-vermogenserwerb-andert-erbenstellung\" class=\"wp-block-heading\">OLG D\u00fcsseldorf \u2013 Beschluss vom 05.08.2016 \u2013 Az. I-3 Wx 74\/16: Sp\u00e4terer Verm\u00f6genserwerb \u00e4ndert Erbenstellung<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-kadence-image kb-image10013_1ffffe-d0 size-full advgb-dyn-801d4443\"><\/figure>\n\n\n\n<h2 id=\"h-das-urteil-auf-den-punkt-gebracht\" class=\"wp-block-heading\">Das Urteil auf den Punkt gebracht:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein sp\u00e4terer erheblicher Verm\u00f6genserwerb des Erblassers kann dazu f\u00fchren, dass eine urspr\u00fcnglich als Alleinerbeinsetzung verstandene Einzelzuwendung nur noch als Teilerbeinsetzung auszulegen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kern der Entscheidung:<\/strong> Das OLG D\u00fcsseldorf stellte klar, dass bei einer testamentarischen Zuwendung einzelner Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde nicht nur der Wortlaut z\u00e4hlt. Ver\u00e4ndert sich der Nachlass nach Testamentserrichtung erheblich, kann erg\u00e4nzend auszulegen sein, ob der Bedachte weiterhin das gesamte Verm\u00f6gen oder nur den konkret genannten Gegenstand erhalten sollte.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-des-sachverhaltes\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung des Sachverhaltes:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erblasserin hatte in einem handschriftlichen Testament ihren Haus- und Grundbesitz in Xanten zun\u00e4chst ihrem Lebensgef\u00e4hrten zur lebenslangen Nutzung zugewandt. Nach dessen Tod sollte das gesamte Objekt an eine bestimmte weitere Person \u00fcbergehen; au\u00dferdem regelte sie die Verwendung von Bar- und Anlageverm\u00f6gen f\u00fcr Bestattung und Grabpflege sowie die Zuwendung ihres Schmucks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Testamentserrichtung erbte die Erblasserin selbst weiteres, offenbar erhebliches Verm\u00f6gen von einem Dritten. Nach ihrem Tod stritten der gesetzliche Erbe und die im Testament mit dem Hausgrundst\u00fcck bedachte Person dar\u00fcber, ob diese Person Alleinerbin geworden war oder ob die gesetzliche Erbfolge f\u00fcr den sp\u00e4ter hinzugekommenen Verm\u00f6gensbestand weiterhin Bedeutung hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-der-beschlussgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung der Beschlussgr\u00fcnde:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG D\u00fcsseldorf ging zun\u00e4chst davon aus, dass die Zuwendung des Hausgrundst\u00fccks urspr\u00fcnglich als Alleinerbeinsetzung verstanden werden konnte, weil dieses Grundst\u00fcck im Zeitpunkt der Testamentserrichtung den wesentlichen Teil des Verm\u00f6gens der Erblasserin ausmachte. Die blo\u00dfe Bezeichnung einzelner Gegenst\u00e4nde schlie\u00dft eine Erbeinsetzung nicht aus, wenn der Erblasser damit praktisch sein gesamtes Verm\u00f6gen verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der sp\u00e4tere Verm\u00f6genszuwachs gab jedoch Anlass zu erg\u00e4nzender Testamentsauslegung. Da dem Testament zu entnehmen war, dass die Erblasserin der Bedachten vor allem das konkrete Hausgrundst\u00fcck zuwenden wollte, nicht aber zwingend ihr gesamtes sp\u00e4teres Verm\u00f6gen, war nur von einer Teilerbeinsetzung auszugehen; f\u00fcr den \u00fcbrigen Nachlass griff die gesetzliche Erbfolge ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-beschluss-olg-dusseldorf-beschluss-vom-05-08-2016-az-i-3-wx-74-16\" class=\"wp-block-heading\">Beschluss: OLG D\u00fcsseldorf \u2013 Beschluss vom 05.08.2016 \u2013 Az.: I-3 Wx 74\/16<\/h2>\n\n\n\n<h3 id=\"h-tenor-der-entscheidung\" class=\"wp-block-heading\">Tenor der Entscheidung<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die angefochtene Entscheidung wird ge\u00e4ndert.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Erbscheinsantrag der Beteiligten zu 3 vom 20. November 2015 \u2013 notarielle Urkunde UR-Nr. 1227 f\u00fcr 2015 des Notars Dr. L. -P. in Leverkusen-Opladen \u2013 wird zur\u00fcckgewiesen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Rechtsbeschwerde wird zugelassen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 id=\"h-entscheidungsgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I. Die Erblasserin war verheiratet mit P. E. K.. Dieser war der Bruder der Gro\u00dfmutter der im Jahre 1976 geborenen Beteiligten zu 3. Das einzige Kind der Eheleute, R. K., verstarb am 2. September 1966, dem Tag seiner Geburt. Nachdem ihr Ehemann im Jahre 1971 bei einem Unfall verstorben war, lebte die Erblasserin lange Jahre mit H. G. zusammen, der die Patenschaft f\u00fcr die Beteiligte zu 3 \u00fcbernahm. Nach dem Tod von H. G. wurde der Beteiligte zu 2 Lebensgef\u00e4hrte der Erblasserin. Mit ihm lebte sie in den letzten 15 Jahren bis zu ihrem Tod zusammen. Der Beteiligte zu 1 ist der Bruder der Erblasserin; die Beteiligte zu 4 ist dessen Ehefrau. Am 3. September 2007 errichtete die Erblasserin ein handschriftliches Testament, das wie folgt lautet: \u201eMein letzter Wille<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Fall meines Todes verf\u00fcge ich:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Haus- und Grundbesitz in Xanten, \u2026, incl. der gesamten Einrichtung sollen Herrn J. L., geb. am 11.01.1945 bis an sein Lebensende zur eigenen Nutzung zur Verf\u00fcgung stehen. Er ist verpflichtet den gesamten Besitz zu pflegen, ausreichend zu versichern und erforderliche Reparaturen zu veranlassen.<\/li>\n\n\n\n<li>Nach dem Ableben von Herrn L. geht das gesamte Objekt an Fr. T. \u00d6., geb. am 03.03.1976 \u00fcber.<\/li>\n\n\n\n<li>Eventuell noch vorhandenes Bar- oder Anlageverm\u00f6gen sollen f\u00fcr meine Beerdigung und die Grabpflege der Gruft und des Einzelgrabes meiner Mutter eingesetzt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Meinen Schmuck soll meine Schw\u00e4gerin E. B. erhalten. Hier hat jedoch Herr L. das Recht des Einbehaltes.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. Juni 2015 verstarb ein ehemaliger Kriegskamerad des Vaters der Erblasserin, H. K. M., zu dem sie bis zu seinem Tod Kontakt gehalten und den sie zeitweise gepflegt hatte. Er hatte die Erblasserin durch handschriftliches Testament vom 19. M\u00e4rz 2015, das am 27. August 2015 in ihrer Anwesenheit er\u00f6ffnet wurde, zu seiner Alleinerbin eingesetzt und Testamentsvollstreckung angeordnet. Der Wert des Erbes ist bislang nicht bekannt. Der Beteiligte zu 1 sch\u00e4tzt ihn unter Berufung auf Angaben, die der Beteiligte zu 2 ihm gegen\u00fcber gemacht habe, auf ca. 400.000,00 \u20ac. Der Beteiligte zu 1 hat einen ihn als Alleinerben ausweisenden Erbschein beantragt. Er hat die Auffassung vertreten, es sei die gesetzliche Erbfolge eingetreten; die Verf\u00fcgungen im Testament seien lediglich als Verm\u00e4chtnisse anzusehen. Die Beteiligte zu 3 ist dem entgegen getreten und hat die Erteilung eines Erbscheins beantragt, der sie als Alleinerbin ausweist. Sie ist der Ansicht, die Erblasserin habe sie zur Alleinerbin eingesetzt, indem sie ihr den wesentlichen und wertvollsten Verm\u00f6gensgegenstand des Nachlasses, n\u00e4mlich den Haus- und Grundbesitz, zugewendet habe. Diese Erbeinsetzung werde durch eine nachtr\u00e4gliche Ver\u00e4nderung der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse nicht in Frage gestellt, da der Wille der Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrichtung entscheidend sei. Der Beteiligte zu 2 hat mitgeteilt, er habe mit der Erblasserin \u00fcber die Verwendung des Geldes, das diese aus der Erbschaft des H. K. M. erwartet habe, gesprochen. Er selbst habe ein Drittel des Geldes erhalten sollen, weil er sich an der Betreuung des H. K. M. beteiligt habe. Die Erblasserin und er h\u00e4tten beabsichtigt das Geld f\u00fcr sich selbst, etwa f\u00fcr Reisen und einen aufwendigeren Lebensstil, zu verwenden. Im Hinblick auf die zu erwartenden Geldmittel h\u00e4tten sie bereits aufwendiger gelebt, beispielsweise eine Urlaubsreise nach Dubai gemacht und Autos gekauft. Die Erblasserin habe sich deshalb keine Gedanken dar\u00fcber gemacht, wer das Geld nach ihrem Tod erhalten solle. Die Beteiligte zu 3 habe nur deshalb das Hausgrundst\u00fcck erhalten sollen, weil sich die Erblasserin an das Versprechen, das sie ihrem ehemaligen Lebenspartner gegeben habe, gebunden gef\u00fchlt habe. Die Erblasserin sei nicht davon ausgegangen, dass die Beteiligte zu 3 ihre Erbin werden solle. Das Nachlassgericht hat mit Beschluss vom 31. Januar 2016 die Tatsachen, die zur Begr\u00fcndung des Antrags der Beteiligten zu 3 erforderlich sind, f\u00fcr festgestellt erachtet und den Erbscheinsantrag des Beteiligten zu 1 zur\u00fcckgewiesen. Zur Begr\u00fcndung hat es im Wesentlichen ausgef\u00fchrt, die Erblasserin habe mit dem Testament vom 3. September 2007 \u00fcber ihren im Zeitpunkt der Errichtung gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gensgegenstand verf\u00fcgt und damit die Beteiligte zu 3 als Alleinerbin eingesetzt. Dass das Objekt erst nach dem Tod des Beteiligten zu 2 auf die Beteiligte zu 3 \u00fcbergehen solle, stehe der Erbeinsetzung nicht entgegen, da der Beteiligte zu 2 lediglich ein lebenslanges Wohnrecht an der Immobilie habe erhalten sollen. Die nachtr\u00e4gliche Ver\u00e4nderung der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Erblasserin habe nicht zur Folge, dass die Beteiligte zu 3 lediglich als Verm\u00e4chtnisnehmerin anzusehen sei. Denn es komme ausschlie\u00dflich auf den Erblasserwillen im Zeitpunkt der Errichtung der letztwilligen Verf\u00fcgung an. Da die Erblasserin in dem Testament offensichtlich \u00fcber die Gesamtheit des ihr zum damaligen Zeitpunkt zustehenden Verm\u00f6gens verf\u00fcgt habe, best\u00fcnden keine Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass sie daneben f\u00fcr einen Teil ihres Verm\u00f6gens den Eintritt der gesetzlichen Erbfolge bezweckt habe. F\u00fcr eine erg\u00e4nzende Testamentsauslegung sei kein Raum, da keine Anhaltspunkte daf\u00fcr vorhanden seien, dass sich die Erblasserin anders verhalten h\u00e4tte, wenn sie die k\u00fcnftige Entwicklung bedacht h\u00e4tte. Gegen diesen ihm am 3. Februar 2016 zugestellten Beschluss wendet sich der Beteiligte zu 1 mit seiner am 1. M\u00e4rz 2016 bei Gericht eingegangenen Beschwerde. Er macht geltend, die Erblasserin habe die Beteiligte zu 3 nicht als Erbin einsetzen wollen. Sie habe sich lediglich verpflichtet gef\u00fchlt, ein gegen\u00fcber ihrem verstorbenen Lebenspartner abgegebenes Versprechen zu erf\u00fcllen, der Beteiligten zu 3 ihr Hausgrundst\u00fcck zukommen zu lassen. Zwischen der Erblasserin und der Beteiligten zu 3 habe keine enge Verbundenheit bestanden. Da die Beteiligte zu 3 das Haus erst nach dem Tod des Beteiligten zu 2 erhalten solle, sei sie nicht nach \u00a7 1922 BGB unmittelbar nach dem Tod der Erblasserin in deren Rechte und Pflichten eingetreten. Eine Erbenstellung der Beteiligten zu 3 w\u00fcrde zudem der Absicht der Erblasserin widersprechen, dem Beteiligten zu 2 einen gesicherten Lebensabend in dem Haus zu erm\u00f6glichen. Denn die Beteiligte zu 3 h\u00e4tte im Falle einer Erbenstellung die M\u00f6glichkeit, das Haus ungeachtet des \u2013 dinglich nicht abgesicherten \u2013 Nutzungsrechts zu verkaufen. Aus diesem Grund habe es nach dem Willen der Erblasserin gerade kein zeitliches Nebeneinander von Eigentum der Beteiligten zu 3 und Nutzungsrecht des Beteiligten zu 2 geben sollen. Die Auslegungsregel des \u00a7 2087 Abs. 1 BGB komme nicht zur Anwendung, da es sich hier um eine zeitlich aufschiebend bedingte Einzelzuwendung handele. Diese Vorschrift komme auch im Hinblick auf den Verm\u00f6genszuwachs nach Errichtung des Testaments nicht zum Tragen, da das Hausgrundst\u00fcck nun nicht mehr der wesentliche Verm\u00f6gensgegenstand innerhalb des Nachlasses sei. Vielmehr ergebe eine erg\u00e4nzende Testamentsauslegung im Hinblick auf die der Erblasserin nachtr\u00e4glich zugefallenen Erbanspr\u00fcche, dass der Beteiligten zu 3 auf keinen Fall mehr als das Hausgrundst\u00fcck zukommen solle. Bei der Auslegung des Testaments komme es nicht darauf an, ob die Erblasserin die gesetzliche Erbfolge gewollt habe, sondern ob sie eine Erbeinsetzung der Beteiligten zu 3 beabsichtigt habe, was nicht der Fall sei. Selbst wenn man aber zu dem Ergebnis gelange, dass die Beteiligte zu 3 Erbin geworden sei, k\u00f6nne sie im Hinblick auf die aufschiebend bedingte Zuwendung des Hausgrundst\u00fccks lediglich Nacherbin geworden sein. Mangels ausdr\u00fccklicher Bestimmung w\u00e4re dann der Beteiligte zu 1 als gesetzlicher Erbe Vorerbe geworden. Die Beteiligte zu 3 beantragt, die Beschwerde zur\u00fcckzuweisen. Sie vertritt weiterhin die Auffassung, die Erblasserin habe sie durch Zuwendung des Hausgrundst\u00fccks als Alleinerbin eingesetzt. Grund f\u00fcr die Erbeinsetzung sei das innige Verh\u00e4ltnis zwischen ihr und der Erblasserin gewesen. Die Erblasserin habe vor ihrem Tod mehrfach ge\u00e4u\u00dfert, dass die Beteiligte zu 3 sie beerben und insbesondere das Haus erhalten solle. F\u00fcr die Erbeinsetzung spreche auch der Umstand, dass die Erblasserin davon ausgegangen sei, ihren gesamten Nachlass verteilt zu haben, wobei sie ersichtlich nur die Personen habe bedenken wollen, die sie in dem Testament genannt habe. Dabei sei sie zu Recht davon ausgegangen, dass das bei Testamentserrichtung vorhandene Bargeld f\u00fcr die aufwendige Pflege der Familiengruft, f\u00fcr die die Beteiligte zu 3 aufgrund der Erbeinsetzung verantwortlich sei, eingesetzt werden m\u00fcsse. Die Zuwendung der Immobilie sei entgegen der Auffassung des Beteiligten zu 1 keineswegs aufschiebend bedingt. Das Verm\u00e4chtnis zugunsten des Beteiligten zu 2 betreffe vielmehr nur die tats\u00e4chliche Nutzungsm\u00f6glichkeit. F\u00fcr eine erg\u00e4nzende Testamentsauslegung, wie sie der Beteiligte zu 1 vornehmen wolle, sei kein Raum, zumal die H\u00f6he der der Erblasserin zugefallenen Erbanspr\u00fcche nicht einmal bekannt sei, so dass deren wertm\u00e4\u00dfiger Anteil am gesamten Nachlass nicht beurteilt werden k\u00f6nne. Das Nachlassgericht hat der Beschwerde mit weiterem Beschluss vom 3. M\u00e4rz 2016 nicht abgeholfen und die Sache dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf zur Entscheidung vorgelegt. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Nachlassakte sowie der Testamentsakten Amtsgericht Dinslaken, Az. 23 IV 656\/15, Bezug genommen. II. Die gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 58 Abs. 1, 63 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1, 64 Abs. 1 und 2 FamFG zul\u00e4ssige Beschwerde des Beteiligten zu 1 ist nach der vom Nachlassgericht ordnungsgem\u00e4\u00df erkl\u00e4rten Nichtabhilfe gem\u00e4\u00df \u00a7 68 Abs. 1 Satz 1, 2. Hs. FamFG dem Senat zur Entscheidung angefallen. In der Sache hat die Beschwerde teilweise Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1) Entgegen der Auffassung des Nachlassgerichts ist die Beteiligte zu 3 aufgrund des Testaments vom 3. September 2007 nicht Alleinerbin nach der Erblasserin geworden. a) Zwar war das Testament urspr\u00fcnglich dahingehend auszulegen, dass die Beteiligte zu 3 zur Alleinerbin berufen war. Die Erblasserin hat in dem Testament keine ausdr\u00fcckliche Bestimmung dazu getroffen, ob die darin bedachten Personen als Erben eingesetzt werden sollten (\u00a7 1937 BGB) oder ob die Zuwendungen als Verm\u00e4chtnisse (\u00a7 1937 BGB) anzusehen sind. Es ist daher auslegungsbed\u00fcrftig (vgl. BayObLGR 1994, 51; OLG K\u00f6ln FamRZ 1991, 1481). Die testamentarische Zuwendung einzelner Gegenst\u00e4nde oder Gruppen von Gegenst\u00e4nden, wie sie die Erblasserin in dem Testament vom 3. September 2007 verf\u00fcgt hat, ist allerdings nach der Auslegungsregel des \u00a7 2087 Abs. 2 BGB im Zweifel als Verm\u00e4chtnisanordnung und nicht als Erbeinsetzung anzusehen. Etwas anderes gilt jedoch dann, wenn der Erblasser praktisch sein gesamtes Verm\u00f6gen unter den bedachten Personen aufteilt. Denn anderenfalls w\u00fcrde die Anwendung des \u00a7 2087 Abs. 2 BGB zu dem mutma\u00dflich nicht gewollten Ergebnis f\u00fchren, dass das Testament \u00fcberhaupt keine Erbeinsetzung enth\u00e4lt (BGH DNotZ 1972, 500; BayObLGR 1994, 51; NJW-RR 2002, 873; Litzenburger, in: Bamberger\/Roth, Beck\u00b4scher Online-Kommentar, Stand: 01.05.2016, \u00a7 2087 Rn. 13). Dass die Erblasserin in dem Testament vom 3. September 2007 im Wesentlichen \u00fcber ihr gesamtes Verm\u00f6gen zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung verf\u00fcgt hat, steht unter den Beteiligten nicht in Streit. Es sind auch keine bedeutsamen Verm\u00f6gensbestandteile erkennbar, die bei der Testamentserrichtung unbeachtet geblieben w\u00e4ren. Entgegen der Auffassung des Beteiligten zu 1 ist auch nicht davon auszugehen, dass die Erblasserin neben den im Testament angeordneten Einzelzuwendungen die gesetzliche Erbfolge eintreten lassen wollte. Denn nachdem die Erblasserin in dem Testament praktisch \u00fcber ihr gesamtes Verm\u00f6gen verf\u00fcgt hat, ist nicht ersichtlich, auf welche Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde sich die gesetzliche Erbfolge noch h\u00e4tte erstrecken sollen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Erblasserin durch die im Testament aufgef\u00fchrten Einzelverf\u00fcgungen ihr gesamtes Verm\u00f6gen an die dort benannten Personen verteilen wollte. Nach dem Wertverh\u00e4ltnis der den bedachten Personen zugewandten Gegenst\u00e4nde war das Testament zun\u00e4chst dahingehend auszulegen, dass die Beteiligte zu 3 Alleinerbin nach der Erblasserin geworden ist. Die Zuwendung eines Verm\u00f6gensgegenstandes ist als Erbeinsetzung anzusehen, wenn dieser die anderen Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde an Wert so sehr \u00fcbersteigt, dass anzunehmen ist, der Erblasser habe darin im Wesentlichen seinen Nachlass gesehen. Nahe liegt dies insbesondere dann, wenn ein Grundst\u00fcck seinem Wert nach den wesentlichen Teil des Verm\u00f6gens bildet. Dabei ist im Hinblick auf das Wertverh\u00e4ltnis von den Vorstellungen auszugehen, die der Erblasser im Zeitpunkt der Testamentserrichtung hatte (vgl. OLG D\u00fcsseldorf FamRZ 1995, 1299; BayObLGR 1994, 51; NJW-RR 2000, 1174; 1997, 517; Rudy, in: M\u00fcnchener Kommentar zum BGB, 6. Aufl. 2013, \u00a7 2087 Rn. 8 ff.). Vorliegend begegnet es keinen Zweifeln und wird von den Beteiligten auch nicht in Frage gestellt, dass das Hausgrundst\u00fcck im Zeitpunkt der Testamentserrichtung den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil des Verm\u00f6gens der Erblasserin ausmachte. Es ist danach davon auszugehen, dass die Beteiligte zu 3, die nach dem Willen der Erblasserin das Hausgrundst\u00fcck sowie dessen Einrichtung erhalten sollte, Alleinerbin werden sollte. Dass das Grundst\u00fcck nach dem Wortlaut des Testaments erst nach dem Tod des Beteiligten zu 2 auf die Beteiligte zu 3 \u00fcbergehen sollte, steht ihrer Erbeinsetzung nicht entgegen. Der Beteiligte zu 2 sollte nach den Bestimmungen des Testaments kein Eigentum an dem Hausgrundst\u00fcck erhalten, sondern das Hausgrundst\u00fcck soll ihm lediglich \u201ezur eigenen Nutzung zur Verf\u00fcgung stehen\u201c. Daraus folgt, dass die Beteiligte zu 3 nach dem Willen der Erblasserin das Eigentum an dem Hausgrundst\u00fcck unmittelbar und nicht erst nach dem Tod des Beteiligten zu 2 erhalten sollte, wobei allerdings das Wohnrecht des Beteiligten zu 2 zu beachten ist. Etwas anderes folgt auch nicht, wie der Beteiligte zu 1 meint, aus dem Umstand, dass das Nutzungsrecht des Beteiligten zu 2 nicht dinglich gesichert ist. Dass die juristisch nicht vorgebildete Erblasserin die M\u00f6glichkeit, die Beteiligte zu 3 k\u00f6nnte das Hausgrundst\u00fcck unter Umgehung des Nutzungsrechtes verkaufen, auch nur in Betracht gezogen und im Hinblick darauf eine aufschiebend bedingte Erbeinsetzung angeordnet h\u00e4tte, ist nicht erkennbar. Im \u00dcbrigen h\u00e4tte es der Erblasserin freigestanden, das Nutzungsrecht dinglich abzusichern, wenn sie \u2013 wie der Beteiligte zu 1 \u2013 ein Nebeneinander von Eigentum der Beteiligten zu 3 und Nutzungsrecht des Beteiligten zu 2 f\u00fcr problematisch gehalten h\u00e4tte. Dass die Erblasserin im Hinblick darauf eine Vorerbschaft zu Gunsten des Beteiligten zu 1 gewollt h\u00e4tte, erscheint angesichts der Tatsache, dass dieser im Testament nicht erw\u00e4hnt ist, fernliegend. b) Allerdings gibt der Verm\u00f6genszuwachs der Erblasserin durch die Erbschaft nach H. K. M. Anlass zu einer erg\u00e4nzenden Testamentsauslegung (vgl. BayObLG a.a.O.; Rudy a.a.O.). Diese f\u00fchrt dazu, dass die Beteiligte zu 3 nunmehr nicht mehr als Alleinerbin nach der Erblasserin anzusehen ist. Vielmehr ist aufgrund der Ver\u00e4nderungen im Verm\u00f6gensbestand lediglich von einer Teilerbeinsetzung auszugehen. Sind in der Zeit zwischen Testamentserrichtung und dem Erbfall tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderungen eingetreten, die sich auf die im Testament getroffenen Verf\u00fcgungen auswirken, so ist im Einzelfall durch (gegebenenfalls erg\u00e4nzende) Auslegung festzustellen, ob und inwieweit sie die Auslegung des im Testament erkl\u00e4rten Erblasserwillens beeinflussen k\u00f6nnen. Hat der Erblasser \u2013 wie hier \u2013 im Testament durch Zuwendung bestimmter Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde eine Erbeinsetzung vorgenommen, stellt sich die Frage, ob sich daran durch einen weiteren Verm\u00f6genserwerb etwas \u00e4ndert. Dies hat der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 22. M\u00e4rz 1972 (FamRZ 1972, 561) abgelehnt und ausgef\u00fchrt, ma\u00dfgebend f\u00fcr die Auslegung sei nur der bei Testamentserrichtung vorhanden gewesene Wille des Erblassers. Sp\u00e4teren Willens\u00e4nderungen k\u00f6nne, wenn der Erblasser ihnen nicht in Ab\u00e4nderung seines Testaments Rechnung getragen habe, im Wege der Auslegung keine G\u00fcltigkeit verschafft werden. Die M\u00f6glichkeit einer erg\u00e4nzenden Auslegung hat der Bundesgerichtshof in dieser Entscheidung allerdings nicht angesprochen. Die erg\u00e4nzende Auslegung kommt nach Auffassung des Senats auch im Falle nachtr\u00e4glicher \u00c4nderungen in dem bei Testamentserrichtung vorhandenen Verm\u00f6gensbestand, wenn es f\u00fcr die Auslegung auf das Wertverh\u00e4ltnis der zugewendeten Gegenst\u00e4nde ankommt, zur Anwendung (vgl. BayObLG NJW-RR 1997, 517; KG NJW 1971, 1992; Rudy, a.a.O.). Vorliegend ist dadurch, dass die Erblasserin nach Testamentserrichtung Erbin des H. K. M. geworden ist, eine solche \u00c4nderung im Verm\u00f6gensbestand eingetreten. Der Beteiligte zu 2 hat mitgeteilt, H. K. M. habe der Erblasserin noch zu Lebzeiten von seinem Testament und den zu erwartenden Summen erz\u00e4hlt, woraufhin sie bereits ihren Lebensstil angepasst, beispielsweise eine Reise nach Dubai gemacht und Autos gekauft h\u00e4tten. Der Senat geht danach davon aus, dass die Erbschaft nach H. K. M. eine nennenswerte Summe umfasst, aufgrund derer das Hausgrundst\u00fcck nun nicht mehr den weitaus gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gensgegenstand im Nachlass der Erblasserin darstellt. Der genaue Umfang der Erbschaft kann dabei dahinstehen. Bei der erg\u00e4nzenden Testamentsauslegung ist zu ermitteln, welchen Willen der Erblasser vermutlich gehabt h\u00e4tte, wenn er bei Errichtung des Testaments die k\u00fcnftige Entwicklung vorausschauend in Betracht gezogen h\u00e4tte (BayObLG a.a.O.). Dabei ist Zur\u00fcckhaltung geboten, weil die erg\u00e4nzende Testamentsauslegung nicht dazu f\u00fchren darf, dasjenige als vom Erblasser gewollt anzunehmen, was ein Dritter an seiner Stelle getan haben w\u00fcrde. Sie setzt daher die Feststellung einer sich aus dem Testament selbst, gegebenenfalls unter Heranziehung von Umst\u00e4nden au\u00dferhalb des Testaments und der allgemeinen Lebenserfahrung, ergebenden Willensrichtung des Erblassers voraus. Der mutma\u00dfliche Wille muss in irgendeiner Art seinen erkennbaren, wenngleich unvollkommenen Niederschlag in der auszulegenden Urkunde gefunden haben (KG NJW 1971, 1992; Litzenberger, in: Bamberger\/Roth, Beck\u00b4scher Online-Kommentar BGB, \u00a7 2084 Rn. 43 ff.). Hat der Erblasser \u2013 wie im vorliegenden Fall \u2013 nach seiner Vorstellung im Zeitpunkt der Testamentserrichtung im Wesentlichen \u00fcber sein gesamtes Verm\u00f6gen verf\u00fcgt, ist zu pr\u00fcfen, ob ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genserwerb dazu f\u00fchrt, im Wege der erg\u00e4nzenden Auslegung anstelle der durch Einzelzuwendung gewollten Erbeinsetzung lediglich eine Teilerbeinsetzung anzunehmen (vgl. Otte, in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2013, \u00a7 2087 Rn. 27). Dabei ist zu differenzieren: Ging es dem Erblasser in erster Linie darum, dem Bedachten eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Beteiligung am Nachlass zu sichern, \u00e4ndert ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genszuwachs an der Erbeinsetzung nichts. Etwas anderes gilt jedoch, wenn dem Testament die Absicht zu entnehmen ist, die Zuwendung auf den genannten Verm\u00f6gensgegenstand zu beschr\u00e4nken. In einem solchen Fall kann der Verm\u00f6genszuwachs dazu f\u00fchren, dass die Einzelzuwendung nunmehr als Teilerbeinsetzung anzusehen ist, so dass f\u00fcr das weitere Verm\u00f6gen \u00a7 2088 Abs. 1 BGB gilt (vgl. Otte, a.a.O.; Bartz NJW 1972, 1174). Im vorliegenden Fall ist dem Testament vom 3. September 2007 entnehmen, dass die Erblasserin beabsichtigte, der Beteiligten zu 3 lediglich das Hausgrundst\u00fcck zuzuwenden. Es enth\u00e4lt keine Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Erblasserin der Beteiligten zu 3 eine Erbenstellung zukommen lassen wollte. So hat die Erblasserin Regelungen zu ihrer Beerdigung sowie zur Grabpflege der Familiengruft und des Einzelgrabes ihrer Mutter getroffen. Die Beteiligte zu 3 ist in diesem Zusammenhang nicht erw\u00e4hnt, so dass die Erblasserin offensichtlich nicht davon ausgegangen ist, dass die Beteiligte zu 3 f\u00fcr die Umsetzung verantwortlich sein w\u00fcrde. Anhaltpunkte daf\u00fcr, dass die Erblasserin durch das Testament den Eintritt der gesetzlichen Erbfolge h\u00e4tte ausschlie\u00dfen wollen (vgl. BayObLG NRW-RR 2000, 1174), ergeben sich nicht. Ein ausdr\u00fccklicher Hinweis, dass der Beteiligte zu 1 nicht Erbe sein sollte, ist in das Testament nicht aufgenommen worden. Auf einen entsprechenden Willen der Erblasserin l\u00e4sst sich auch nicht aus dem Umstand schlie\u00dfen, dass sie im Zeitpunkt der Testamentserrichtung davon ausging, \u00fcber ihr gesamtes Verm\u00f6gen zu verf\u00fcgen, und dass sie ihren Bruder, den Beteiligten zu 1, nicht bedacht hat. Vielmehr ist anzunehmen, dass es der Erblasserin vornehmlich darauf ankam, die im Einzelnen genannten Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde den aufgef\u00fchrten Personen zukommen lassen. Dass der Beteiligte zu 1 dabei nicht bedacht worden ist, mag darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass das (damalige) Verm\u00f6gen der Erblasserin damit im Wesentlichen aufgeteilt worden war. Dass der Beteiligte zu 1 leer ausgehen sollte, l\u00e4sst sich den Anordnungen der Erblasserin dagegen nicht entnehmen. Nachdem die Erblasserin hinsichtlich des aus der Erbschaft nach H. K. M. erworbenen Verm\u00f6gens keine Verf\u00fcgung getroffen hat, greift die gesetzliche Auslegungsregel des \u00a7 2088 Abs. 1 BGB ein mit der Folge, dass hinsichtlich dieses Teils des Nachlasses die gesetzliche Erbfolge eingetreten ist. Dass der Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrichtung der sp\u00e4tere Verm\u00f6genszuwachs unbekannt war, steht der Anwendung dieser Auslegungsregel nicht entgegen. Denn die gesetzlichen Auslegungs- und Erg\u00e4nzungsregeln setzen keinen diesen Regeln entsprechenden Rechtsfolgewillen des Erblassers voraus. Vielmehr gen\u00fcgt es, wenn er \u2013 wie hier \u2013 die intendierte Folge weder ausgeschlossen hat, noch bei Kenntnis der L\u00fcckenhaftigkeit seiner Willensbildung ausgeschlossen h\u00e4tte (vgl. BGH NJW 1980, 1276; NJW 1981, 2744; Litzenburger, in: Beck\u00b4scher Online-Kommentar BGB, Stand: 01.05.2016, \u00a7 2084 Rn. 51). 2) Die Beschwerde des Beteiligten zu 1 hat allerdings insoweit keinen Erfolg, als auch ihm nicht der beantragte, ihn als Alleinerben ausweisende Erbschein zu erteilen ist. Vielmehr ist \u2013 wie ausgef\u00fchrt \u2013 aufgrund des nachtr\u00e4glichen Verm\u00f6genserwerbs der Erblasserin von einer Teilerbeinsetzung auszugehen. III. Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst. Gerichtskosten fallen f\u00fcr das teilweise erfolgreiche Rechtsmittel nicht an, \u00a7\u00a7 22 Abs. 1, 25 Abs. 1 GNotKG. Eine Entscheidung \u00fcber au\u00dfergerichtliche Kosten ist nicht erforderlich, weil solche bei dem Beteiligten zu 1 nicht angefallen sind und die unterlegene Beteiligte zu 3 ihre au\u00dfergerichtlichen Kosten selbst zu tragen hat. Die Rechtsbeschwerde war zuzulassen, weil die Rechtssache grunds\u00e4tzliche Bedeutung hat (\u00a7 70 Abs. 2 Nr. 1 FamFG). Eine Rechtssache hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung, wenn sie eine entscheidungserhebliche, kl\u00e4rungsbed\u00fcrftige und kl\u00e4rungsf\u00e4hige Rechtsfrage aufwirft, die sich in einer unbestimmten Vielzahl von F\u00e4llen stellen kann und deswegen das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt, d.h. allgemein von Bedeutung ist. Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist vorliegend im Hinblick auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 22. M\u00e4rz 1972 (FamRZ 1972, 561) die Frage, ob im Falle eines nachtr\u00e4gliches Verm\u00f6genserwerbs eine erg\u00e4nzende Testamentsauslegung dazu f\u00fchren kann, dass eine durch Einzelzuwendung getroffene Einsetzung zum Alleinerben nunmehr als Teilerbeinsetzung anzusehen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 id=\"h-vermogenszuwendung-erbeinsetzung-auslegung\" class=\"wp-block-heading\">(Verm\u00f6genszuwendung Erbeinsetzung Auslegung)<\/h5>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-accordion alignnone\"><div class=\"kt-accordion-wrap kt-accordion-id10013_e7e84a-43 kt-accordion-has-5-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-basic kt-accodion-icon-side-right\" style=\"max-width:none\"><div class=\"kt-accordion-inner-wrap\" data-allow-multiple-open=\"false\" data-start-open=\"none\">\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-pane10013_pane-1\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Kann die Zuwendung eines Grundst\u00fccks eine Erbeinsetzung sein?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Wird ein einzelner Gegenstand zugewandt, kann darin eine Erbeinsetzung liegen, wenn dieser Gegenstand nach den Vorstellungen des Erblassers den wesentlichen Teil des Nachlasses bildet. Besonders h\u00e4ufig kommt das bei Grundst\u00fccken oder H\u00e4usern in Betracht.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-2 kt-pane10013_pane-2\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Was bewirkt ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genserwerb des Erblassers?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genserwerb kann die Auslegung des Testaments ver\u00e4ndern. Wenn der neu hinzugekommene Verm\u00f6gensbestand erheblich ist, stellt sich die Frage, ob der Bedachte wirklich weiterhin Alleinerbe sein sollte. Dann kann eine erg\u00e4nzende Testamentsauslegung erforderlich werden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-3 kt-pane10013_pane-3\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Wann bleibt der Bedachte trotz Verm\u00f6genszuwachs Alleinerbe?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist m\u00f6glich, wenn das Testament erkennen l\u00e4sst, dass der Bedachte m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig am gesamten Nachlass beteiligt werden sollte. Dann \u00e4ndert ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genszuwachs nicht automatisch die Erbenstellung. Entscheidend bleibt der erkennbare Wille des Erblassers.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-4 kt-pane10013_pane-4\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Warum lag hier nur eine Teilerbeinsetzung vor?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht sah im Testament vor allem den Willen, der Bedachten das Hausgrundst\u00fcck zukommen zu lassen. F\u00fcr den sp\u00e4ter hinzugekommenen erheblichen Verm\u00f6gensbestand gab es keine Regelung. Deshalb griff insoweit die gesetzliche Erbfolge ein.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-5 kt-pane10013_pane-5\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Warum wurde die Rechtsbeschwerde zugelassen?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG D\u00fcsseldorf sah eine grunds\u00e4tzlich bedeutsame Rechtsfrage. Es ging darum, ob ein sp\u00e4terer Verm\u00f6genserwerb durch erg\u00e4nzende Testamentsauslegung aus einer Alleinerbeinsetzung eine Teilerbeinsetzung machen kann. Diese Frage kann in vielen Nachlassf\u00e4llen Bedeutung haben.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<style class=\"advgb-styles-renderer\">.kb-image10013_1ffffe-d0 .kb-image-has-overlay:after{opacity:0.3;}.kt-accordion-id10013_e7e84a-43 .kt-accordion-inner-wrap{column-gap:var(--global-kb-gap-md, 2rem);row-gap:0px;}.kt-accordion-id10013_e7e84a-43 .kt-accordion-panel-inner{border-top:0px solid transparent;border-right:0px solid transparent;border-bottom:0px solid transparent;padding-top:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);}.kt-accordion-id10013_e7e84a-43 > .kt-accordion-inner-wrap > .wp-block-kadence-pane > .kt-accordion-header-wrap > .kt-blocks-accordion-header{border-top:5px solid var(--theme-palette-color-8, #ffffff);border-right:5px solid var(--theme-palette-color-8, #ffffff);border-bottom:5px solid 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Im Jahr 2007 errichtete die Erblasserin ein Testament. In diesem Testament verf\u00fcgte Sie, dass eine in ihrem Eigentum stehende Immobilie nach ihrem Tod auf eine bestimmte Person \u00fcbergehen sollte. Zum Zeitpunkt der Errichtung des Testamentes stellt diese Immobilie das wesentliche Verm\u00f6gen der Erblasserin dar. Nachdem die Erblasserin ihr Testament errichtet hatte, erlangte sie durch Erbschaft ein weiteres sehr werthaltiges Verm\u00f6gen.<br \/>\nNach dem Tod der Erblasserin beantragte die Person, der die Erblasserin die Immobilie zugewandt hatte, die Erteilung eines Alleinerbscheins. Der n\u00e4chste Verwandte der Erblasserin, der nach der gesetzlichen Erbfolge ihr Erbe w\u00e4re, beantragte ebenfalls einen Alleinerbschein. Das Nachlassgericht ging davon aus, dass der Bedachte durch die Zuwendung der Immobilie im Testament zum Alleinerben nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 2087 II BGB geworden ist. Hiergegen legte der n\u00e4chste Verwandte der Erblasserin Beschwerde ein.<br \/>\nDas OLG D\u00fcsseldorf entsprach der Beschwerde und kam zu dem Ergebnis, dass im vorliegenden Fall den beiden Antragsteller ein gemeinschaftlicher Erbschein zu erteilen ist.<br \/>\nDas OLG D\u00fcsseldorf bringt in seiner Entscheidung zum Ausdruck, dass es grunds\u00e4tzlich die Einsch\u00e4tzung des Nachlassgerichtes teilt, dass die durch letztwillige Verf\u00fcgung der Erblasserin erfolgte \u00dcbertragung des Eigentums an der zum Nachlass geh\u00f6renden Immobilie zur Folge hat, dass der Bedachte zum Alleinerben der Erblasserin wird.<br \/>\nAllerdings geht das OLG D\u00fcsseldorf davon aus, dass im Wege der erg\u00e4nzenden Auslegung ermittelt werden muss, wie der Wille der Erblasserin sich entwickelt h\u00e4tte, wenn Sie zum Zeitpunkt der Errichtung ihres Testamentes bereits Kenntnis vom sp\u00e4teren weiteren Verm\u00f6genserwerb gehabt h\u00e4tte. Da im vorliegenden Fall der Wille der Erblasserin offensichtlich darauf gerichtet war, dass ein bestimmter Verm\u00f6genswert, d. h. die Immobilie, zugewandt werden sollte, kam das OLG D\u00fcsseldorf zu dem Ergebnis, dass die Erblasserin offensichtlich nicht pauschal ihr gesamtes Verm\u00f6gen dem Bedachten zukommen lassen wollte.<br \/>\nDa das OLG D\u00fcsseldorf somit zu dem Ergebnis gelangte, dass aus der \u00dcbertragung der Immobilie durch die Erblasserin nicht der R\u00fcckschluss m\u00f6glich ist, dass der Bedachte das wesentliche gesamte Verm\u00f6gen der Erblasserin erlangen sollte, folgert das OLG D\u00fcsseldorf, dass die Erblasserin unter Ber\u00fccksichtigung des sp\u00e4teren Verm\u00f6genserwerbes nur die Einsetzung des Bedachten als Teilerben gewollt h\u00e4tte. Folglich musste die gesetzliche Erbfolge ebenfalls ber\u00fccksichtigt werden, sodass der Bedachte neben dem gesetzlichen Erben Teilerbe wurde.<br \/>\nDie Erteilung eines gemeinschaftlichen Erbscheins ist folglich geboten, um der tats\u00e4chlichen erbrechtlichen Situation, die durch Auslegung vom OLG D\u00fcsseldorf ermittelt wurde, gerecht zu werden. 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