{"id":13325,"date":"2026-06-16T20:31:03","date_gmt":"2026-06-16T20:31:03","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-balg.de\/erbrecht-nachlassimmobilie-nutzungsentschaedigung-voraussetzungen-voraussetzungen-fuer-eine-nutzungsentschaedigung-durch-einen-miterben-an-die-erbengemeinschaft-fuer-die-nutzung-einer-nachlassimmob\/"},"modified":"2026-07-05T20:32:01","modified_gmt":"2026-07-05T20:32:01","slug":"erbrecht-nachlassimmobilie-nutzungsentschaedigung-voraussetzungen-voraussetzungen-fuer-eine-nutzungsentschaedigung-durch-einen-miterben-an-die-erbengemeinschaft-fuer-die-nutzung-einer-nachlassimmob","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-balg.de\/?p=13325","title":{"rendered":"Erbrecht | Nachlassimmobilie Nutzungsentsch\u00e4digung Voraussetzungen | Voraussetzungen f\u00fcr eine Nutzungsentsch\u00e4digung durch einen Miterben an die Erbengemeinschaft f\u00fcr die Nutzung einer Nachlassimmobilie"},"content":{"rendered":"\n<h1 id=\"h-olg-rostock-beschluss-vom-19-03-2018-az-3-u-67-17-nutzungsentschadigung-braucht-neuregelungsverlangen\" class=\"wp-block-heading\">OLG Rostock \u2013 Beschluss vom 19.03.2018 \u2013 Az. 3 U 67\/17: Nutzungsentsch\u00e4digung braucht Neuregelungsverlangen<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-kadence-image kb-image1303_d5a7e9-41 size-full advgb-dyn-288be17d\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/OLG-Rostock-Beschluss-vom-19.03.2018-3-U-67_17-75prozent.jpg\" alt=\"OLG Rostock - Beschluss vom 19.03.2018 - 3 U 67\/17 - Fachanwalt f\u00fcr Erbrecht Detlev Balg K\u00f6ln - Nachlassimmobilie Nutzungsentsch\u00e4digung Voraussetzungen\" width=\"1100\" height=\"367\" class=\"kb-img wp-image-13328 \" srcset=\"https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/OLG-Rostock-Beschluss-vom-19.03.2018-3-U-67_17-75prozent.jpg 1100w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/OLG-Rostock-Beschluss-vom-19.03.2018-3-U-67_17-75prozent-300x100.jpg 300w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/OLG-Rostock-Beschluss-vom-19.03.2018-3-U-67_17-75prozent-1024x342.jpg 1024w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/OLG-Rostock-Beschluss-vom-19.03.2018-3-U-67_17-75prozent-768x256.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 id=\"h-das-urteil-auf-den-punkt-gebracht\" class=\"wp-block-heading\">Das Urteil auf den Punkt gebracht:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bewohnt ein Miterbe allein eine Nachlassimmobilie, schuldet er nicht automatisch Nutzungsentsch\u00e4digung. Erforderlich ist regelm\u00e4\u00dfig ein wirksames Verlangen der Miterbenmehrheit, die Nutzung f\u00fcr die Zukunft neu zu regeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kern der Entscheidung:<\/strong> Eine blo\u00dfe Zahlungsaufforderung reicht nicht aus. Die Erbengemeinschaft muss die Verwaltung und Benutzung der Immobilie neu ordnen. Dies kann durch Mehrheitsbeschluss geschehen. Eine besondere Form ist daf\u00fcr nicht vorgeschrieben. Auch der betroffene Miterbe muss bei einem Beschluss \u00fcber ein Rechtsgesch\u00e4ft mit ihm nicht mitstimmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-des-sachverhaltes\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung des Sachverhaltes:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Nachlass geh\u00f6rte ein h\u00e4lftiger Miteigentumsanteil an einem Haus. Der Beklagte war selbst Miterbe und bewohnte das Objekt nach dem Erbfall. Die \u00fcbrigen Miterben verlangten von ihm eine Nutzungsentsch\u00e4digung an die Erbengemeinschaft. Daneben machte eine Kl\u00e4gerin eine weitere Nutzungsentsch\u00e4digung f\u00fcr die Nutzung ihres eigenen, nicht zum Nachlass geh\u00f6renden h\u00e4lftigen Miteigentumsanteils geltend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beklagte wollte gegen das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Neubrandenburg Berufung einlegen und beantragte daf\u00fcr Prozesskostenhilfe. Er wandte unter anderem ein, eine Nutzungsentsch\u00e4digung sei nicht geschuldet, die \u00fcbrigen Miterben h\u00e4tten ihn nicht ordnungsgem\u00e4\u00df beteiligt und das Haus sei sanierungsbed\u00fcrftig. Das OLG Rostock hatte deshalb zu pr\u00fcfen, ob die beabsichtigte Berufung hinreichende Aussicht auf Erfolg hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-der-beschlussgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung der Beschlussgr\u00fcnde:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG Rostock verneinte die Erfolgsaussicht der beabsichtigten Berufung. Es stellte klar, dass ein Miterbe eine Nachlassimmobilie zun\u00e4chst grunds\u00e4tzlich mitnutzen darf. Eine Nutzungsentsch\u00e4digung wird aber m\u00f6glich, wenn die Miterben nach \u00a7 2038 Abs. 2 BGB in Verbindung mit \u00a7 745 Abs. 2 BGB eine Neuregelung der Verwaltung und Benutzung verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im konkreten Fall sah das Gericht in dem anwaltlichen Schreiben der Miterben ein ausreichendes Neuregelungsverlangen und zugleich die Umsetzung eines Mehrheitsbeschlusses. Eine besondere Form der Beschlussfassung war nicht erforderlich. Die Einwendungen des Beklagten gegen die H\u00f6he der Nutzungsentsch\u00e4digung griffen nicht durch, weil die angesetzte Miete am unteren Rand der orts\u00fcblichen Vergleichsmiete lag und die behaupteten M\u00e4ngel nicht hinreichend substantiiert waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-beschluss-olg-rostock-beschluss-vom-19-03-2018-az-3-u-67-17\" class=\"wp-block-heading\">Beschluss: OLG Rostock \u2013 Beschluss vom 19.03.2018 \u2013 Az.: 3 U 67\/17<\/h2>\n\n\n\n<h3 id=\"h-tenor-der-entscheidung\" class=\"wp-block-heading\">Tenor der Entscheidung<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Nach \u00a7 2038 Abs. 2 S. 1 BGB i. V. m. \u00a7 745 Abs. 2 BGB kann jeder Teilhaber eines Miteigentumsanteils, sofern nicht die Verwaltung und Benutzung durch Vereinbarung oder durch Mehrheitsbeschluss geregelt ist, eine dem Interesse aller Teilhaber nach billigem Ermessen entsprechende Verwaltung und Benutzung verlangen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsentsch\u00e4digung setzt ein Neuregelungsverlangen im Sinne des \u00a7 745 Abs. 2 BGB voraus.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcber die Verwaltung und Benutzung des gemeinschaftlichen Gegenstandes bestimmen die Teilhaber, sofern sie keine abweichende Vereinbarung getroffen haben durch Mehrheitsbeschluss. F\u00fcr die Beschlussfassung ist keine besondere Form vorgeschrieben; die Stimmabgabe kann jederzeit und in beliebiger Form erfolgen, ausdr\u00fccklich oder konkludent, schriftlich oder m\u00fcndlich, gleichzeitig oder nacheinander.<\/li>\n\n\n\n<li>Hat ein Miterbe die Stimmenmehrheit in einer Erbengemeinschaft, kann er vielmehr im Rahmen einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Verwaltung ohne besondere F\u00f6rmlichkeiten einen Mehrheitsbeschluss fassen. Die Wirksamkeit eines Mehrheitsbeschlusses h\u00e4ngt n\u00e4mlich nicht davon ab, ob der Minderheit ausreichende Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben worden ist.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 id=\"h-entscheidungsgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der beim Senat angebrachte Prozesskostenhilfeantrag des Beklagten vom 15.08.2017, mit dem er um Prozesskostenhilfe f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Berufungsverfahrens gegen das seiner Prozessbevollm\u00e4chtigten am 18.07.2017 zugestellte Urteil des Landgerichts Neubrandenburg vom 12.07.2017 nachsucht, hat keinen Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df \u00a7 114 Abs. 1 S. 1 ZPO erh\u00e4lt eine Partei, die nach ihren pers\u00f6nlichen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen die Kosten der Prozessf\u00fchrung nicht aufbringen kann, auf Antrag Prozesskostenhilfe, wenn die beabsichtigte Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Diese Voraussetzungen liegen hier jedoch nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beabsichtigte Rechtsverteidigung bietet keine hinreichenden Aussichten auf Erfolg. Erfolgsaussicht besteht nur dann, wenn das Gericht den Rechtsstandpunkt der Prozesskostenhilfe begehrenden Partei aufgrund ihrer Sachdarstellung und der vorhandenen Unterlagen zumindest f\u00fcr vertretbar h\u00e4lt und von der M\u00f6glichkeit der Beweisf\u00fchrung \u00fcberzeugt ist (vgl. BGH, Beschluss v. 14.12.1993 \u2013 VI ZR 235\/92 \u2013, zit. n. juris, Rn. 5 m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall, denn den Kl\u00e4gern steht als Miterben der geltend gemachte Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsentsch\u00e4digung an die Erbengemeinschaft wegen der unentgeltlichen Nutzung des h\u00e4lftigen Miteigentums des Erblassers am Haus gegen den Beklagten in H\u00f6he von insgesamt 4.275,00 \u20ac gem\u00e4\u00df den \u00a7\u00a7 745, 2038 Abs. 2 BGB zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben hat die Kl\u00e4gerin zu 2) als Alleineigent\u00fcmerin wegen der unberechtigten Nutzung der ihr geh\u00f6rigen und nicht in den Nachlass fallenden ideellen H\u00e4lfte des Hauses einen selbst\u00e4ndigen Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsentsch\u00e4digung in H\u00f6he von insgesamt 4.275,00 \u20ac aus \u00a7 812 Abs. 1 S. 1 2. Alt. BGB. a) Der Beklagte ist selbst Mitglied der Erbengemeinschaft, in deren Eigentum der h\u00e4lftige ideelle Miteigentumsanteil des von ihm genutzten Objekts f\u00e4llt. Auf die Erbengemeinschaft sind dabei die Vorschriften \u00fcber die Bruchteilsgemeinschaft entsprechend anwendbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stellung als Miterbe gibt ihm ihn diesem Zusammenhang die M\u00f6glichkeit, zumindest den (h\u00e4lftigen) Nachlassgegenstand wie ein Miteigent\u00fcmer voll und entsch\u00e4digungslos zu nutzen, jedenfalls soweit den anderen Miterben der Mitgebrauch nicht hartn\u00e4ckig verweigert wird bzw. sich nicht aus den \u00a7\u00a7 2038, 741 ff. BGB etwas anderes ergibt (vgl. LG M\u00fcnster, Urteil v. 26.09.2014 \u2013 10 O 160\/08 \u2013, zit. n. juris, Rn. 56 m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Miterben \u2013 wozu auch die Kl\u00e4ger z\u00e4hlen \u2013 den h\u00e4lftigen Miteigentumsanteil am Objekt selbst mitnutzen wollten und ihnen dies verwehrt worden ist, ist von den Kl\u00e4gern nicht behauptet worden. Nach \u00a7 2038 Abs. 2 S. 1 BGB i. V. m. \u00a7 745 Abs. 2 BGB kann jedoch jeder Teilhaber eines Miteigentumsanteils, sofern nicht die Verwaltung und Benutzung durch Vereinbarung oder durch Mehrheitsbeschluss geregelt ist, eine dem Interesse aller Teilhaber nach billigem Ermessen entsprechende Verwaltung und Benutzung verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ordnungsm\u00e4\u00dfigkeit einer Ma\u00dfnahme \u2013 zur Nachlassverwaltung geh\u00f6ren alle Ma\u00dfregeln zur Verwahrung, Sicherung, Erhaltung und Vermehrung sowie zur Gewinnung der Nutzung und Bestreitung der laufenden Verbindlichkeiten \u2013 ist aus objektiver Sicht zu beurteilen; entscheidend ist der Standpunkt eines vern\u00fcnftig und wirtschaftlich denkenden Beurteilers (BGH, Urteil v. 11.11.2009 \u2013 XII ZR 210\/05 \u2013 zit. n. juris, Rn. 32; OLG Stuttgart, Urteil v. 09.09.2014 \u2013 14 U 9\/14 \u2013, zit. n. juris, Rn. 11).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anerkannt ist, dass hierzu auch die Geltendmachung eines Nutzungsentsch\u00e4digungsanspruchs z\u00e4hlt (LG M\u00f6nchengladbach, Beschluss v. 22.04.2016 \u2013 11 O 1\/16 \u2013, zit. n. juris, Rn. 47 m.w.N.; OLG Hamm, Urteil v. 06.11.1991 \u2013 8 U 119\/91 \u2013, zit. n. juris, Rn. 3; LG M\u00fcnster, ebenda, Rn. 56; LG Dortmund, Beschluss v. 21.08.2012 \u2013 3 O 72\/12 \u2013, zit. n. juris, Rn. 21; LG Potsdam, Urteil v. 26.03.2010 \u2013 1 O26\/08 \u2013, zit. n. juris, Rn. 40). \u00a7 2038 Abs. 2 BGB steht dem nicht entgegen, da vorliegend die Zahlung der Nutzungsentsch\u00e4digung an den Nachlass der Erbengemeinschaft und nicht an die einzelnen Miterben begehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsentsch\u00e4digung setzt dabei ein Neuregelungsverlangen im Sinne des \u00a7 745 Abs. 2 BGB voraus. Es muss also ein Verlangen ge\u00e4u\u00dfert werden, die Verwaltung und Benutzung neu (ex nunc) zu regeln. Eine blo\u00dfe Zahlungsaufforderung reicht nicht aus (LG M\u00f6nchengladbach, ebenda, Rn. 48). Dies ist hier erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Verwaltung und Benutzung des gemeinschaftlichen Gegenstandes bestimmen die Teilhaber, sofern sie keine abweichende Vereinbarung getroffen haben durch Mehrheitsbeschluss. Die Stimmenmehrheit bestimmt sich nach der Gr\u00f6\u00dfe der Anteile (vgl. Herberger\/Martinek\/R\u00fc\u00dfmann \u2013 Gregor, jurisPK-BGB, 8. Aufl. 2017, \u00a7 745 BGB, Rn. 2). Da es sich vorliegend um eine Nachlassverwaltung handelt, ist hier gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 2038 Abs. 2 Satz 1, 745 Abs. 1 Satz 2 BGB die durch den Erbfall begr\u00fcndete Erbteilsgr\u00f6\u00dfe ma\u00dfgeblich (vgl. Groll \u2013 v. Morgen, Praxis-Handbuch Erbrechtsberatung, 4. Auflage, IV, Rn. 228; BGH, Urteil v. 19.09.2012 \u2013 XII ZR 151\/10 \u2013, zit. n. juris, Rn. 14; OLG Brandenburg, Urteil v. 12.08.1997 \u2013 2 U 188\/96 \u2013, zit. n. juris, Rn. 15; Muscheler ZEV 1997, 169, 173).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem vorgelegten gemeinschaftlichen Erbschein des Amtsgerichts Ueckerm\u00fcnde vom 19.11.2014 (Az.: 1 VI 221\/14) ergibt sich, dass die Kl\u00e4ger mit 6\/10 der Erbteile am Nachlass des Erblassers beteiligt sind. Insoweit liegt hier (bereits) eine grunds\u00e4tzliche Mehrheit nach der Erbteilsgr\u00f6\u00dfe vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Beschlussfassung selbst ist dabei keine besondere Form vorgeschrieben; die Stimmabgabe kann jederzeit und in beliebiger Form erfolgen, ausdr\u00fccklich oder konkludent, schriftlich oder m\u00fcndlich, gleichzeitig oder nacheinander (vgl. BGH, Urteil v. 11.11.2009 \u2013 XII ZR 210\/05 \u2013, zit. n. juris, Rn. 3; Groll \u2013 v. Morgen, Praxis-Handbuch Erbrechtsberatung, 4. Auflage, IV, Rn 235. Erman Aderhold, BGB, 15. Aufl. \u00a7 745 BGB, Rn. 2). Einer f\u00f6rmlichen Beschlussfassung bedurfte es daher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat ein Miterbe die Stimmenmehrheit in einer Erbengemeinschaft, kann er vielmehr im Rahmen einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Verwaltung ohne besondere F\u00f6rmlichkeiten einen Mehrheitsbeschluss fassen (BGH, Urteil v. 19.09. 2012 \u2013 XII ZR 151\/10 \u2013, zit. n. juris, Rn. 15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Beachtung dieser Grunds\u00e4tze reichte die mit Schriftsatz vom 23.01.2017 dargelegte (erfolgte) Verst\u00e4ndigung der Kl\u00e4ger als Miterben untereinander, die sich im gemeinsamen anwaltlichen Schreiben ihrer Prozessbevollm\u00e4chtigten vom 10.08.2015 an den Beklagten manifestiert hat, zur \u00dcberzeugung des Senats aus, um den Mehrheitsbeschluss herbeizuf\u00fchren. Letzteres stellt im \u00dcbrigen das deutliche Begehren dar, dass er ohne Zahlung der Nutzungsentsch\u00e4digung das Haus nicht bewohnen darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem l\u00e4sst sich der Akte entnehmen, dass auch die Erbin H. D. mit Schreiben vom 25.08.2015 und der Erbe F. B. mit Schreiben vom 23.08.2015 erkl\u00e4rt haben, dass der Beklagte eine Nutzungsentsch\u00e4digung zu zahlen habe. Danach h\u00e4tte vor dem 01.09.2015, dem Tag, an dem der Beklagte mit der Zahlung der Nutzungsentsch\u00e4digung h\u00e4tte beginnen sollen, sogar ein Mehrheitsbeschluss mit einer Erbteilsgr\u00f6\u00dfe von 8\/10 vorgelegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem steht nicht entgegen, dass die \u00fcbrigen Miterben zumindest vor dem Schreiben der Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4ger an den Beklagten vom 10.08.2015 weder beteiligt, noch geh\u00f6rt wurden. Die Wirksamkeit eines Mehrheitsbeschlusses h\u00e4ngt n\u00e4mlich nicht davon ab, ob der Minderheit ausreichende Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat die Mehrheit der Miterben eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Ma\u00dfnahme zur Verwaltung des Nachlasses \u2013 nicht Verf\u00fcgung \u2013 beschlossen, so kann sie die Ma\u00dfnahme vielmehr auch ohne die Mitwirkung der \u00fcberstimmten Miterben mit Wirkung f\u00fcr und gegen die Erbengemeinschaft ausf\u00fchren. Ein Mehrheitsbeschluss der Erbengemeinschaft ist auch nicht bereits deshalb unwirksam, weil ein Miterbe noch nicht einmal geh\u00f6rt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach herrschender Meinung f\u00fchrt die Unterlassung der Anh\u00f6rung eines Miterben nicht zur Ung\u00fcltigkeit des Mehrheitsbeschlusses, sondern allenfalls \u2013 wenn die sonstigen Voraussetzungen vorliegen \u2013 zu Schadensersatzanspr\u00fcchen (BGH, Urteil v. 29.03.1971 \u2013 III ZR 255\/68 \u2013, zit. n. juris, Rn. 35; Urteil vom 19.09.2012 \u2013 XII ZR 151\/10 \u2013, zit. n. juris, Rn. 15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit es den Beklagten selbst betrifft, w\u00e4re dies ohnehin schadlos, da ein Mitglied nicht stimmberechtigt ist, wenn die Beschlussfassung die Vornahme eines Rechtsgesch\u00e4fts mit ihm betrifft (vgl. BGH, Urteil v. 19.09.2012 \u2013 XII ZR 151\/10 \u2013, zit. n. juris, Rn.16; Urteil von 29.03.1971 \u2013 III ZR 255\/68 \u2013, zit. n. juris, Rn. 27).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Senat teilt die Auffassung des Landgerichts, dass die Zahlung einer monatlichen Nutzungsentsch\u00e4digung an die Erbengemeinschaft von 225,00 \u20ac auch der H\u00f6he nach \u2013 ausgehend von einem Mietzins in H\u00f6he von insgesamt 450,00 \u20ac f\u00fcr das gesamte Haus \u2013 angemessen erscheint (\u00a7 287 ZPO). Dies d\u00fcrfte \u2013 wie das Landgericht beanstandungsfrei ausgef\u00fchrt hat \u2013 tats\u00e4chlich am unteren Rand der f\u00fcr Einfamilienh\u00e4user erzielbaren Miete liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit der Beklagte erstinstanzlich auf Beeintr\u00e4chtigungen der Bausubstanz hingewiesen hat, rechtfertigt dies kein anderes Ergebnis, da dies unter Ber\u00fccksichtigung der angezeigten M\u00e4ngel, die im \u00dcbrigen nicht substantiiert dargelegt worden sind, in keiner Relation zur ohnehin niedrigen monatlichen Nutzungsentsch\u00e4digung steht. Berechtigte Einw\u00e4nde sind insoweit vom Beklagten auch mit der Berufung nicht vorgetragen worden. Allein der Hinweis, dass das Haus sanierungsbed\u00fcrftig sei, reicht nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beklagte verkennt in diesem Zusammenhang, dass \u2013 entgegen seiner Auffassung \u2013 er daf\u00fcr darlegungs- und beweispflichtig ist, dass M\u00e4ngel vorliegen, die eine monatliche Nutzungsentsch\u00e4digung in H\u00f6he von insgesamt (nur) 450,00 \u20ac als unbillig erscheinen lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dementsprechend steht den Kl\u00e4gern die Zahlung eines Nutzungsentgelts in H\u00f6he von monatlich 225,00 \u20ac f\u00fcr den Zeitraum vom 01.09.2015 bis 31.03.2017, dem Auszug des Beklagten, und damit mithin 4.275,00 \u20ac zu. b) Der Beklagte verkennt zudem, dass der Kl\u00e4gerin zu 2), unabh\u00e4ngig vom Anspruch der Erbengemeinschaft, auch noch ein selbst\u00e4ndiger Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsentsch\u00e4digung zusteht, da er nicht nur den h\u00e4lftigen ideellen Miteigentumsanteil der Erbengemeinschaft am Objekt genutzt hat, sondern auch den h\u00e4lftigen ideellen Miteigentumsanteil der Kl\u00e4gerin zu 2) am Objekt, der erst gar nicht in den Nachlass gefallen ist. Zutreffend verweist das Landgericht darauf, dass dieser Anspruch aus \u00a7 812 Abs. 1, S. 1 2. Alt. BGB folgt, da der Beklagte diesen Miteigentumsanteil der Kl\u00e4gerin zu 2) genutzt hat, ohne hierzu berechtigt gewesen zu sein. Eine Berechtigung zur Nutzung ist von ihm insoweit weder vorgetragen worden, noch ist dies sonst ersichtlich. Der Beklagte hat daher im streitgegenst\u00e4ndlichen Zeitraum durch einen rechtsgrundlosen Eingriff auf Kosten der Kl\u00e4gerin die Nutzungsm\u00f6glichkeiten an den R\u00e4umlichkeiten des Zwangsvollstreckungsobjektes erlangt. Den nach \u00a7 818 Abs. 2 BGB zu bemessenden Wertersatz bemisst der Senat dabei ebenfalls mit 225,00 \u20ac im Monat. Auch insoweit folgt der Senat der landgerichtlichen Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mithin steht der Kl\u00e4gerin zu 2) die Zahlung eines Nutzungsentgelts in H\u00f6he von monatlich 225,00 \u20ac f\u00fcr den Zeitraum vom 01.09.2015 bis 31.03.2017, dem Auszug des Beklagten, und damit ein Betrag in H\u00f6he von 4.275,00 \u20ac zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Kostenentscheidung ist entbehrlich (\u00a7 127 Abs. 4 ZPO).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-accordion alignnone\"><div class=\"kt-accordion-wrap kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 kt-accordion-has-5-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-basic kt-accodion-icon-side-right\" style=\"max-width:none\"><div class=\"kt-accordion-inner-wrap\" data-allow-multiple-open=\"false\" data-start-open=\"none\">\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-panePOSTID_pane-1\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Schuldet ein Miterbe automatisch Nutzungsentsch\u00e4digung?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Ein Miterbe darf einen Nachlassgegenstand grunds\u00e4tzlich mitbenutzen. Eine Nutzungsentsch\u00e4digung kommt regelm\u00e4\u00dfig erst in Betracht, wenn die Verwaltung und Benutzung f\u00fcr die Zukunft neu geregelt wird.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-2 kt-panePOSTID_pane-2\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Was ist ein Neuregelungsverlangen?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Neuregelungsverlangen ist die Aufforderung, die k\u00fcnftige Verwaltung und Benutzung eines gemeinschaftlichen Gegenstandes anders zu ordnen. Bei einer Nachlassimmobilie kann dies bedeuten, dass der nutzende Miterbe k\u00fcnftig Nutzungsentsch\u00e4digung zahlen soll.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-3 kt-panePOSTID_pane-3\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Reicht eine blo\u00dfe Zahlungsaufforderung?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine blo\u00dfe Zahlungsaufforderung reicht nach der Entscheidung nicht aus. Das Schreiben muss erkennen lassen, dass die Nutzung der Immobilie f\u00fcr die Zukunft neu geregelt werden soll.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-4 kt-panePOSTID_pane-4\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Muss die Erbengemeinschaft f\u00f6rmlich beschlie\u00dfen?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. F\u00fcr den Mehrheitsbeschluss ist keine besondere Form vorgeschrieben. Die Stimmen k\u00f6nnen ausdr\u00fccklich oder konkludent, schriftlich oder m\u00fcndlich, gleichzeitig oder nacheinander abgegeben werden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-5 kt-panePOSTID_pane-5\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Wie wird die H\u00f6he der Nutzungsentsch\u00e4digung bestimmt?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ma\u00dfgeblich ist eine angemessene Nutzungsm\u00f6glichkeit, h\u00e4ufig orientiert an einer vergleichbaren Miete. Wer bewusst einen Betrag am unteren Rand der orts\u00fcblichen Miete verlangt, kann Streit \u00fcber die genaue H\u00f6he und eine Beweisaufnahme vermeiden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<style class=\"advgb-styles-renderer\">.kb-image1303_d5a7e9-41 .kb-image-has-overlay:after{opacity:0.3;}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 .kt-accordion-inner-wrap{column-gap:var(--global-kb-gap-md, 2rem);row-gap:0px;}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 .kt-accordion-panel-inner{border-top:0px solid transparent;border-right:0px solid transparent;border-bottom:0px solid transparent;padding-top:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 > .kt-accordion-inner-wrap > .wp-block-kadence-pane > .kt-accordion-header-wrap > .kt-blocks-accordion-header{border-top:5px solid var(--theme-palette-color-8, 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Fraglich ist, unter welchen Voraussetzungen die anderen Erben von diesem Miterben eine Nutzungsentsch\u00e4digung f\u00fcr die Nutzung der Nachlassimmobilie verlangen k\u00f6nnen.<\/span><br \/>\n<span style=\\\"font-size: 18px;\\\">Das OLG Rostock stellt mit Beschluss vom 19. 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