{"id":27778,"date":"2026-07-16T08:45:20","date_gmt":"2026-07-16T08:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-balg.de\/?p=27778"},"modified":"2026-07-08T08:45:49","modified_gmt":"2026-07-08T08:45:49","slug":"olg-duesseldorf-beschluss-vom-24-02-2025-3-w-21-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-balg.de\/?p=27778","title":{"rendered":"OLG D\u00fcsseldorf &#8211; Beschluss vom 24-02-2025 \u2013 3 W 21-25"},"content":{"rendered":"\n<h1 id=\"h-olg-dusseldorf-beschluss-vom-24-02-2025-az-3-w-21-25-testamentsechtheit-durch-gesamtwurdigung-bewiesen\" class=\"wp-block-heading\">OLG D\u00fcsseldorf \u2013 Beschluss vom 24.02.2025 \u2013 Az. 3 W 21\/25: Testamentsechtheit durch Gesamtw\u00fcrdigung bewiesen<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-kadence-image kb-image352_a7c4e9-81 size-full advgb-dyn-a2b9bfd6\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/olg-duesseldorf---3-w-21-25---24.-februar-2025.jpg\" alt=\"OLG D\u00fcsseldorf - Beschluss vom 24-02-2025 \u2013 3 W 21-25 | Erbrecht - Testament - Unterschrift des Erblassers - Beweislast\" width=\"1440\" height=\"810\" class=\"kb-img wp-image-27781 \" srcset=\"https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/olg-duesseldorf---3-w-21-25---24.-februar-2025.jpg 1440w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/olg-duesseldorf---3-w-21-25---24.-februar-2025-300x169.jpg 300w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/olg-duesseldorf---3-w-21-25---24.-februar-2025-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/ra-balg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/olg-duesseldorf---3-w-21-25---24.-februar-2025-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 id=\"h-das-urteil-auf-den-punkt-gebracht\" class=\"wp-block-heading\">Das Urteil auf den Punkt gebracht:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein handschriftliches Testament kann auch dann als echt angesehen werden, wenn ein Schriftgutachten nur Teile der Handschrift sicher zuordnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kern der Entscheidung:<\/strong> Das OLG D\u00fcsseldorf stellt klar, dass das Nachlassgericht nicht allein auf ein Schriftgutachten schauen darf. Entscheidend ist die Gesamtw\u00fcrdigung aller Umst\u00e4nde, wenn etwa Unterschrift und Namenszug mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Erblasser stammen und keine konkreten Hinweise auf eine F\u00e4lschung bestehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-des-sachverhaltes\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung des Sachverhaltes:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tod des Erblassers stritten seine Tochter und seine fr\u00fchere Lebensgef\u00e4hrtin um die Erbfolge. Die Tochter beantragte einen Erbschein als Alleinerbin nach gesetzlicher Erbfolge, w\u00e4hrend die fr\u00fchere Lebensgef\u00e4hrtin sich auf ein handschriftliches Testament vom 5. Mai 2021 berief.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nachlassgericht Kempen hatte zun\u00e4chst zugunsten der Tochter entschieden, weil das eingeholte Schriftgutachten zwar Unterschrift und Namenszug mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit dem Erblasser zuordnete, die \u00fcbrige Textschrift aber nicht sicher gepr\u00fcft werden konnte. Die fr\u00fchere Lebensgef\u00e4hrtin legte Beschwerde ein und machte geltend, das Testament sei insgesamt echt und setze sie zur Erbin ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zusammenfassung-der-beschlussgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung der Beschlussgr\u00fcnde:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG D\u00fcsseldorf gab der Beschwerde statt. Zwar konnte die Echtheit des gesamten Testamentstextes nicht allein durch das Schriftgutachten bewiesen werden, weil aussagekr\u00e4ftiges Vergleichsmaterial fehlte; die Unterschrift und der Namenszug im Text stammten aber mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Erblasser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Gesamtbetrachtung sah der Senat keine vern\u00fcnftigen Zweifel an der Echtheit des Testaments. Es gab keine technischen Hinweise auf Manipulation, keine Br\u00fcche im Schriftbild und keine nachvollziehbaren Anhaltspunkte f\u00fcr eine F\u00e4lschung durch Dritte. Zudem war die Zuwendung der Wohnungen wegen ihres wirtschaftlichen Gewichts als Alleinerbeinsetzung der fr\u00fcheren Lebensgef\u00e4hrtin auszulegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-beschluss-olg-dusseldorf-beschluss-vom-24-02-2025-az-3-w-21-25\" class=\"wp-block-heading\">Beschluss: OLG D\u00fcsseldorf \u2013 Beschluss vom 24.02.2025 \u2013 Az.: 3 W 21\/25<\/h2>\n\n\n\n<h3 id=\"h-tenor-der-entscheidung\" class=\"wp-block-heading\">Tenor der Entscheidung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I. Auf die Beschwerde der Beteiligten zu 2) wird der Beschluss des Amtsgerichts \u2013 Nachlassgericht \u2013 Kempen vom 16. Dezember 2024 abge\u00e4ndert und wie folgt neu gefasst:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Tatsachen, die zur Begr\u00fcndung des Erbscheinantrags der Beteiligten zu 2) vom 6. Januar 2023 erforderlich sind, werden f\u00fcr festgestellt erachtet.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Erbscheinantrag der Beteiligten zu 1) vom 7. September 2022 wird zur\u00fcckgewiesen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">II. Die Beteiligte zu 2) hat die gerichtlichen Kosten des von ihr gestellten Erbscheinantrags zu tragen. Im \u00dcbrigen fallen der Beteiligten zu 1) die gerichtlichen Kosten des amtsgerichtlichen Verfahrens zur Last. Die Beteiligte zu 1) hat \u00fcberdies der Beteiligten zu 2) die ihr in beiden Instanzen entstanden notwendigen au\u00dfergerichtlichen Aufwendungen zu erstatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">III. Die Rechtsbeschwerde wird nicht zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">IV. Der Beschwerdewert wird auf 500.000 Euro festgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 id=\"h-entscheidungsgrunde\" class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I. Die Beteiligte zu 1) ist die Tochter und das einzige Kind des Erblassers. Sie begehrt, gest\u00fctzt auf die Bestimmungen der gesetzlichen Erbfolge, die Erteilung eines Erbscheins, der sie als Alleinerbin ausweist. Die Beteiligte zu 2) ist die fr\u00fchere Lebensgef\u00e4hrtin des Erblassers. Sie tritt dem Begehren entgegen und beantragt ihrerseits die Erteilung eines Erbscheins. Dazu verweist sie auf ein entsprechendes handschriftliches Testament vom 5.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mai 2021) Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob diese letztwillige Verf\u00fcgung vom Erblasser niedergeschrieben und unterzeichnet worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Amtsgericht hat das Gutachten eines Schriftsachverst\u00e4ndigen eingeholt und sodann dem Erbscheinantrag der Beteiligten zu 1) mit einem Feststellungsausspruch nach \u00a7 352 e Abs. 1 Satz 1 FamFG stattgegeben sowie den Erbscheinantrag der Beteiligten zu 2) zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Schriftsachverst\u00e4ndigen folgend hat es angenommen, dass zwar die Unterschrift unter das Testament und die dort in Zeile 6 enthaltene Namensniederschrift \u201eH\u2026 \u2026 B\u2026\u201c zumindest mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit vom Erblasser stammen, dass aber die restliche Textschrift nicht pr\u00fcfbar sei. Aufgrund dessen sei \u2013 so das Amtsgericht weiter \u2013 eine formg\u00fcltige Testamentserrichtung nicht nachgewiesen und bestimme sich die Erbfolge nach \u00a7 1924 Abs. 1 BGB.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erblasser sei folglich von seiner Tochter, der Beteiligten zu 1), als einzig vorhandene Erbin der ersten Ordnung beerbt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen wendet sich die Beteiligte zu 2) mit ihrer Beschwerde. Sie legt als Vergleichsmaterial f\u00fcr eine Schriftanalyse in Ablichtung weitere Unterlagen vor, n\u00e4mlich Ausz\u00fcge aus dem Terminkalender des Erblassers f\u00fcr das Jahr 2021 (Bl. 965 ff. d.A.) und eine handschriftliche Erkl\u00e4rung des Erblassers vom 15. Juni 2008 (Bl. 993 d.A.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Amtsgericht hat der Beschwerde nicht abgeholfen und die Sache dem Senat zur Entscheidung vorgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstands wird auf den Inhalt der Nachlassakte 28 VI 178\/22 und der Testamentsakte 27 IV 86\/22, jeweils Amtsgericht Kempen, sowie der im Beschwerdeverfahren eingereichten Schrifts\u00e4tze Bezug genommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">II. Die zul\u00e4ssige Beschwerde hat Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erblasser ist aufgrund seines Testaments vom 5. Mai 2021 von der Beteiligten zu 2) beerbt worden. Zwar hat die Beteiligte zu 2) alleine durch das vom Amtsgericht zu Recht eingeholte Schriftgutachten den Nachweis einer formg\u00fcltigen Testamentserrichtung nicht gef\u00fchrt (nachfolgend: A.). Die sonstigen Umst\u00e4nde des Falles vermitteln dem Senat aber die hinreichend sichere \u00dcberzeugung, dass der Erblasser seine letztwillige Verf\u00fcgung vollst\u00e4ndig niedergeschrieben und unterzeichnet hat (nachfolgend: B.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">A. Die Beteiligte zu 2) kann den ihr im Sinne einer Feststellungslast obliegenden (vgl. dazu OLG Rostock, Beschluss vom 22)3.2022, 3 W 128\/19 m.w.N.; OLG M\u00fcnchen, Beschluss vom 5.5.2020, 31 Wx 246\/19) Nachweis, dass das handschriftliche Testament vom 5. Mai 2021 formg\u00fcltig errichtet \u2013 d.h. vom Erblasser selbst niedergeschrieben und unterschrieben \u2013 worden ist (vgl. \u00a7 2247 Abs. 1 BGB), durch Schriftgutachten nicht erbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zur Akte gelangten Schriftgutachten f\u00fchren \u2013 wie das Amtsgericht zutreffend ausgef\u00fchrt hat \u2013 diesen Nachweis nicht. Anlass f\u00fcr eine erg\u00e4nzende Begutachtung unter Verwendung der von der Beteiligten zu 2) im Beschwerdeverfahren vorgelegten Ablichtung besteht nicht.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Das von der Beteiligten zu 2) zur Akte gereichte Privatgutachten des Schriftsachverst\u00e4ndigen A\u2026 (Bl. 96 ff. d.A.) f\u00fchrt den erforderlichen Beweis schon deshalb nicht, weil der Gutachter lediglich mit einer leicht \u00fcberwiegenden Wahrscheinlichkeit attestiert, dass Unterschrift und Text des Testaments vom Erblasser stammen (Seiten 18 ff. des Privatgutachtens, Bl. 35 ff. d.A.). Ausweislich der auf Seite 24 des Privatgutachtens (Bl.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">119 d.A.) niedergelegten Begriffserl\u00e4uterung ist damit eine Wahrscheinlichkeit von circa 75% gemeint. Das reicht \u2013 wie keiner n\u00e4heren Ausf\u00fchrungen bedarf \u2013 f\u00fcr den Nachweis der Authentizit\u00e4t des Testaments nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die beiden Gutachten des gerichtlich bestellten Schriftsachverst\u00e4ndigen S\u2026 \u2013 n\u00e4mlich das Ausgangsgutachten vom 6. Mai 2024 (Bl. 654 ff. d.A.) und die 2) Gutachterliche Stellungnahme vom 16. August 2024 (Bl. 789 ff. d.A.) \u2013 f\u00fchren gleicherma\u00dfen nicht den Beweis, dass das Testament vom 5. Mai 2021 in G\u00e4nze vom Erblasser niedergeschrieben und eigenh\u00e4ndig unterzeichnet worden ist.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Der Sachverst\u00e4ndige hat auf der Grundlage des vorhandenen aussagekr\u00e4ftigen Schriftmaterials gepr\u00fcft, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit der Text des streitbefangenen Testaments vom Erblasser geschrieben worden ist. Als Vergleichsmaterial hat er zu Recht die zahlreichen Schriftproben au\u00dfer Betracht gelassen, die in nahezu vollst\u00e4ndig unverbundener Druckschrift geschrieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn sie lassen belastbare R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Verfasser des in Schreibschrift (Kurrentschrift) niedergelegten Testaments von vornherein nicht zu. Nicht ber\u00fccksichtigt hat der Gutachter mit Recht ebenso die in Schreibschrift verfassten Briefe aus dem Jahr 1968 (Bl. 670 \u2013 673 d.A.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den plausiblen Darlegungen des Sachverst\u00e4ndigen scheidet dieses Schriftmaterial aus, weil die Texte mehr als 50 Jahre vor dem streitgegenst\u00e4ndlichen Testament erstellt worden sind und sich die Handschrift eines Menschen in der Regel in einem solchen Zeitraum (hier: zwischen dem jungen und dem hohen Erwachsenenalter) ver\u00e4ndert. Ob und inwieweit der Erblasser im Laufe seines Lebens seine Schreibschrift ver\u00e4ndert hat, l\u00e4sst sich mangels vorhandenen Vergleichsmaterials nicht beurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Infolge dessen kann von den im Jahr 1968 verfassten Schreiben auch nicht auf die Authentizit\u00e4t des Testaments geschlossen werden. Als taugliches Vergleichsmaterial verbleiben damit die Unterschriften, die der Erblasser auf seinem Personalausweis (17.12)2019) und auf einer notariell beglaubigten Vollmacht (25.6.2021) geleistet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erg\u00e4nzend in seine Betrachtung einbezogen hat der Gutachter zudem die in Druckschrift verfassten Schriftst\u00fccke, soweit darin der Vorname \u201eHelmut\u201c kurrentschriftlich niedergelegt ist oder andere verwertbare schreibschriftliche Elemente enthalten sind (Bilder 5 \u2013 22 des Erg\u00e4nzungsgutachtens, Bl. 821 \u2013 824 d.A.). Vergleichsmaterial f\u00fcr den zweiten Vornamen des Erblassers \u201eG. \u201c fehlt vollst\u00e4ndig. b) Auf dieser \u2013 den Akteninhalt vollst\u00e4ndig ersch\u00f6pfenden \u2013 Grundlage kommt der gerichtliche Sachverst\u00e4ndige unter Ber\u00fccksichtigung der Besonderheiten und eigenwilligen Elemente in der Schrift des Erblassers \u00fcberzeugend zu dem Ergebnis, dass sowohl die Unterschrift als auch die Namensniederschrift in Zeile 6 des Testaments mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit vom Erblasser stammt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Begriffserl\u00e4uterung auf Seite 20 des Erg\u00e4nzungsgutachtens (Bl.808 d.A.) verbirgt sich dahinter eine Authentizit\u00e4tswahrscheinlichkeit von 90%. F\u00fcr den Gutachter nicht zu beurteilen war demgegen\u00fcber die restliche Textschrift in dem Testament.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn f\u00fcr die dort verwendeten Worte fehlt \u2013 wenn man die in nahezu vollst\u00e4ndig unverbundener Druckschrift geschriebenen Schriftst\u00fccke au\u00dfer Betracht l\u00e4sst \u2013 ein aussagekr\u00e4ftiges Vergleichsmaterial, so dass die Urheberschaft dieses Textes gutachtlich nicht beurteilt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem uneingeschr\u00e4nkt nachvollziehbar und \u00fcberzeugend begr\u00fcndeten Ergebnis des gerichtlich eingeholten Gutachtens steht zur \u00dcberzeugung des Senats fest, dass der Erblasser das Testament vom 5. Mai 2021 unterschrieben und \u00fcberdies seinen Namen \u201eH\u2026 B\u2026\u201c in Zeile 6 des Testaments eigenh\u00e4ndig geschrieben hat. Das Schriftgutachten des Sachverst\u00e4ndigen S\u2026 f\u00fchrt demgegen\u00fcber nicht den Beweis, dass auch der sonstige Testamentstext vom Erblasser stammt.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Eine erg\u00e4nzende Begutachtung ist nicht angezeigt. Die Beteiligte zu 2) hat im Beschwerdeverfahren weitere Schriftproben vorgelegt. Es handelt sich um handschriftliche Eintr\u00e4ge, die der Erblasser in seinen Terminkalender f\u00fcr das Jahr 2021 vorgenommen hat (Anlage zum Schreiben vom 14.1)2025, Bl. 964 ff. d.A.), sowie um eine aus vier S\u00e4tzen bestehende handschriftlich verfasste Erkl\u00e4rung des Erblassers vom 15. Juni 2008 (Anlage 3 zur Beschwerdeschrift, Bl.993 d.A.).<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Begutachtung dieser Unterlagen kann unterbleiben, weil sie die Authentizit\u00e4t des Testamentstextes nicht kl\u00e4ren kann. Abgesehen davon, dass die Schriftst\u00fccke nur in Ablichtung vorliegen, sind alle Textpassagen in einer nahezu unverbundenen Druckschrift geschrieben. Von daher scheiden sie als taugliches Vergleichsmaterial f\u00fcr das in Schreibschrift verfasste Testament aus. Alleine die Unterschrift unter das Schreiben vom 15. Juni 2008 stellt eine brauchbare Schriftprobe dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indes ist nicht zu erkennen, inwieweit das Schriftst\u00fcck eine gr\u00f6\u00dfere Aussagekraft besitzen soll als die vom Sachverst\u00e4ndigen S\u2026 bereits ber\u00fccksichtigten Unterschriften des Erblassers auf seinem Personalausweis und auf einer notariell beglaubigten Vollmacht, zumal beide Schriftst\u00fccke aus deutlich j\u00fcngerer Zeit vor Testamentserrichtung stammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B. Mit dem dargestellten gutachtlichen Befund ist die Frage nach der Authentizit\u00e4t des Testaments vom 5. Mai 2021 allerdings nicht abschlie\u00dfend zu beantworten. Gem\u00e4\u00df \u00a7 37 Abs. 1 FamFG hat das Gericht der Sachentscheidung \u2013 und demzufolge auch seiner \u00dcberzeugungsbildung \u2013 den gesamten Verfahrensstoff zugrunde zu legen. Eine in diesem Sinne umfassende W\u00fcrdigung des gesamten Streitstoffs hat das Amtsgericht unterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie vermittelt dem Senat ohne vern\u00fcnftigen Zweifel die Gewissheit, dass das in Rede stehende handschriftliche Testament echt ist und in G\u00e4nze vom Erblasser stammt.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Wie das Amtsgericht zutreffend angenommen hat, sind an den Beweis einer Tatsache im Prozess keine \u00fcbertrieben strengen Anforderungen zu stellen. Zum Nachweis ist zwar die volle richterliche \u00dcberzeugung erforderlich. Diese verlangt aber keine absolute Gewissheit. F\u00fcr sie reicht vielmehr ein f\u00fcr das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der vern\u00fcnftigen Zweifeln Schweigen gebietet, ohne sie v\u00f6llig auszuschlie\u00dfen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dementsprechend stehen einem Beweis blo\u00df theoretisch denkbare, aber im konkreten Fall praktisch nicht in Betracht kommende abweichende Geschehensabl\u00e4ufe nicht entgegen. Das gilt auch in Verfahren, in denen \u2013 wie vorliegend \u2013 der Grundsatz der Amtsermittlung gilt (BGH NJW 1990, 2312).<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Mit diesem Grad an Wahrscheinlichkeit steht zur \u00dcberzeugung des Senats fest, dass der Testamentstext vollumf\u00e4nglich vom Erblasser niedergeschrieben worden ist.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stimmen \u2013 wie durch das gerichtlich eingeholte Schriftgutachten nachgewiesen ist \u2013 sowohl die Unterschrift als auch der Namenszug \u201eH..\u2026 B\u2026\u201c im Flie\u00dftext des Testaments vom Erblasser, und fehlen konkrete Anhaltspunkte, dass der \u00fcbrige Testamentstext von einem Dritten niedergeschrieben worden sein k\u00f6nnte, ist bei einer lebensnahen und verst\u00e4ndigen W\u00fcrdigung von der Authentizit\u00e4t des Testaments auszugehen. So liegt der Fall hier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts spricht f\u00fcr die Annahme, dass zwar die Unterschrift und der Namenszug \u201eH\u2026 B\u2026\u201c vom Erblasser stammen, der restliche Text des Testaments aber von einer dritten Person niedergeschrieben worden ist. a) Das vom Amtsgericht eingeholte Schriftgutachten begr\u00fcndet keinerlei Zweifel an einer Urheberschaft des Erblassers. Es l\u00e4sst die Frage, wer Urheber des \u00fcbrigen Testamentstextes ist, ausdr\u00fccklich offen. Der Sachverst\u00e4ndige hat in seiner 2) Gutachterlichen Stellungnahme vom 16. August 2024 (dort Seite 26 f., Bl. 814 f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d.A.) betont, dass sich die Frage, wer Urheber des restlichen Testamentstextes ist, mangels eines vorhandenen aussagekr\u00e4ftigen Vergleichsmaterials schriftsachverst\u00e4ndig nicht beurteilen l\u00e4sst. Das bel\u00e4sst die uneingeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeit, dass der gesamte Flie\u00dftext des Testaments vom Erblasser niedergeschrieben worden ist. b) Hinweise auf eine Manipulationen am Text des Testaments hat der Sachverst\u00e4ndige bei der von ihm durchgef\u00fchrten physikalisch-technischen Urkundenpr\u00fcfung ausgeschlossen. Nach seinen Feststellungen (Seite 11 ff. der 2) Gutachterlichen Stellungnahme vom 16.8.2024, Bl. 799 ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d.A.) haben weder die beiderseitige Streiflichtuntersuchung noch die beiderseitige Durchlichtuntersuchung und die mikroskopische Analyse des Strich- und Druckverlaufs zu einem Befund gef\u00fchrt, der auf eine Textf\u00e4lschung oder Manipulation des Testamentstextes hinweisen k\u00f6nnte. In keiner der begutachteten Schreibleistungen des Erblassers sind \u2013 so f\u00fchrt der Sachverst\u00e4ndige aus \u2013 Hinweise enthalten, die bei einer vorlagenorientierten Nachahmung zu erwarten w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenso wenig hat der Gutachter bei der strahlungstechnischen Untersuchung des verwendeten Schreibmittels Besonderheiten festgestellt. Er hat im Gegenteil Hinweise auf inhaltliche Ver\u00e4nderungen des Textes oder andere Merkmalsauspr\u00e4gungen, die bei einer Manipulation des Textes zu erwarten sind, verneint und ausgef\u00fchrt, dass das Schreibmittel im gesamten Text des Testaments homogen und ohne Auff\u00e4lligkeiten eingesetzt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beweise zwar \u2013 so der Gutachter weiter \u2013 nicht ein Niederschreiben des gesamten Textes in einem Zuge; umgekehrt seien aber auch keinerlei Hinweise daf\u00fcr vorhanden, dass der Testamentstext in mehreren Schritten geschrieben worden sei (Seite 15 der 2) Gutachterlichen Stellungnahme vom 16.8.2024, Bl. 803 d.A.). Auch die weitere Urkundenuntersuchung des Testaments ist ohne Befund geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technische Manipulationsversuche schlie\u00dft der Sachverst\u00e4ndige ebenso aus wie eine vorlagenorientierte F\u00e4lschung des Testaments (Seite 16 der 2) Gutachterlichen Stellungnahme vom 16.8.2024, Bl. 804 d.A.). c) Hinweise auf eine F\u00e4lschung des Testamentstextes ergeben sich gleicherma\u00dfen nicht aus dem Text oder dem Schriftbild des Testaments. Wie der Sachverst\u00e4ndige in seiner 2) Gutachterlichen Stellungnahme (dort Seite 27, Bl. 815 d.A.) nachvollziehbar und zutreffend feststellt, f\u00fcgt sich der nachweislich vom Erblasser stammende Namenszug \u201eHelmut \u2026 Becker\u201c im Flie\u00dftext des Testaments in jeder Hinsicht nahtlos in die weitere Textschrift ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind weder inhaltlich noch im Schriftbild des Textes irgendwelche Br\u00fcche, L\u00fccken oder andere Auff\u00e4lligkeiten vorhanden, die auf die Schreibleistung einer dritten Person deuten k\u00f6nnten. Das gilt namentlich f\u00fcr die Textpassage zur Erbeinsetzung der Beteiligten zu 2), die lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch, H\u2026 G. B\u2026, geboren am \u2026 setze meine L. S\u2026 B\u2026, geboren am \u2026 als Erbe in H\u00f6he von Euro Vierhundertausend \u2026 ein\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der inhaltlich wie schriftbildlich homogene Text legt es bei verst\u00e4ndiger Betrachtung nahe, dass die gesamte letztwillige Verf\u00fcgung vom Erblasser niedergeschrieben worden ist. d) Entgegen der Ansicht der Beteiligten zu 1) bietet der im Testament sichtbare Schreibstil keinen Anlass, an der Urheberschaft des Erblassers zu zweifeln. Abgesehen davon, dass schon der Einwand als solcher, Ausdrucksweise, Grammatik und Orthographie w\u00fcrden nicht den vom Erblasser zu seinen Lebzeiten gepflegten Standards entsprechen, inhaltsleer und nichtssagend ist, entbehrt die ge\u00e4u\u00dferte Kritik auch jeder Berechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Testament ist f\u00fcr einen juristischen Laien inhaltlich und sprachlich fehlerfrei verfasst und begr\u00fcndet nicht ansatzweise nachvollziehbare Zweifel daran, dass das Testament vom Erblasser stammt. Ebenso wenig bietet der Text des Testaments Anlass, an der Testierf\u00e4higkeit des Erblassers zu zweifeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das dazu vorgetragene Schlagwort, der Erblasser habe seit sie (die Beteiligte zu 1)) denken k\u00f6nne, unter \u201eAlkoholismus gelitten\u201c, ist substanzlos und der zugrunde liegende Sachverhalt daher nicht aufkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. e) Ohne Aussagekraft ist ebenso der Sachvortrag der Beteiligten zu 1), die Beteiligte zu 2) habe ihr gegen\u00fcber noch im Januar und Februar 2022 ge\u00e4u\u00dfert<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDas Haus ist Dein`s. Ich will damit nichts mehr zu tun haben. Das ist mir zu stressig. Ich habe das (verwaltet) f\u00fcr deinen Vater getan, aber Du bist nicht meine Familie\u201c, bevor sie im M\u00e4rz 2022 das streitbefangene Testament \u201epr\u00e4sentiert\u201c habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wiedergegebene \u00c4u\u00dferung erkl\u00e4rt sich zwanglos und mit einem vollkommen unverd\u00e4chtigen Inhalt, wenn die Beteiligte zu 2) seinerzeit von dem Inhalt des Testaments noch keine Kenntnis hatte. Davon ist nach dem Sach- und Streitstrand auszugehen. Aus der Testamentsakte ergibt sich, dass die Beteiligte zu 2) das Testament am 10. Februar 2022 dem zust\u00e4ndigen Amtsgericht Kempen zugeleitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die zitierten \u00c4u\u00dferungen der Beteiligten zu 1) gegen\u00fcber in Kenntnis des Testaments erfolgt sind, behauptet diese selbst nicht. f) Letzte Gewissheit von der Authentizit\u00e4t des Testaments vermittelt dem Senat die Tatsache, dass im gesamten Verfahrensverlauf kein einziger konkreter Anhaltspunkt f\u00fcr die Urheberschaft eines Dritten zutage getreten ist. Es ist nicht ansatzweise erkennbar, welche dritte Person bei welcher Gelegenheit aus welchem Motiv heraus welchen Teil des streitbefangenen Testaments geschrieben haben soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man die Dinge lebensnah, kann das Testament nur bei der Person des eingesetzten Alleinerben von dritter Seite erg\u00e4nzt worden sein. F\u00fcr eine Vervollst\u00e4ndigung der anderen Regelungspunkte des Testaments \u2013 d.h. bei der Aufhebung aller fr\u00fcheren letztwilligen Anordnungen des Erblassers und bei der Konkretisierung des zum Nachlass geh\u00f6renden Immobilienbesitzes \u2013 fehlt von vornherein jedwedes sinnvolle Motiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit es um die Erbenbenennung geht, kommt wiederum nur die testamentarisch beg\u00fcnstigte Beteiligte zu 2) als diejenige Person in Betracht, die das Testament zu eigenen Gunsten ver\u00e4ndert haben k\u00f6nnte. Das setzt aber voraus, dass der Erblasser sein Testament vom 5. Mai 2021 bei der Bestimmung des Erben unvollst\u00e4ndig verfasst hat, sodass es von dritter Seite eigenm\u00e4chtig erg\u00e4nzt werden konnte. Daf\u00fcr fehlt jedweder Anhaltspunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es liegen auch keinerlei Umst\u00e4nde vor, die eine Erbeinsetzung der Beteiligten zu 2) durch den Erblasser fraglich erscheinen lassen k\u00f6nnten. Es liegt bei einer lebensnahen Betrachtung nahe, dass der Erblasser die Beteiligte zu 2) als seine Lebensgef\u00e4hrtin und ihm naherstehende Person testamentarisch bedacht hat. Gesichtspunkte, die dem entgegenstehen k\u00f6nnten, zeigt die Beteiligte zu 1) nicht auf und sie sind auch ansonsten nicht ansatzweise ersichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">C. Der Erblasser hat die Beteiligte zu 2) zu seiner testamentarischen Alleinerbin berufen, auch wenn er nach dem Wortlaut des Testaments als sein Verm\u00f6gen alleine die Wohnungen im Mehrfamilienhaus \u2026 in \u2026 auff\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Gibt der Wortlaut der testamentarischen Verf\u00fcgung keinen hinreichend klaren Aufschluss \u00fcber den letzten Willen des Erblassers, kann sich eine Erbeinsetzung auch daraus ergeben, dass der Erblasser den Bedachten einzelne Gegenst\u00e4nde oder einzelne Gruppen seines Verm\u00f6gens zugewandt hat. Zwar ist die testamentarische Zuwendung bestimmter Gegenst\u00e4nde oder bestimmter Gruppen von Gegenst\u00e4nden gem\u00e4\u00df \u00a7 2087 Abs. 2 BGB im Zweifel als Verm\u00e4chtnisanordnung und nicht als Erbeinsetzung anzusehen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Auslegungsregel greift jedoch nicht ein, wenn ein anderer Wille des Erblassers festgestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auslegung, f\u00fcr die der gesamte Inhalt der letztwilligen Verf\u00fcgung einschlie\u00dflich aller Nebenumst\u00e4nde zu w\u00fcrdigen ist, kann im Einzelfall dazu f\u00fchren, dass nur scheinbar die Zuwendung einzelner Gegenst\u00e4nde vorliegt, der Erblasser indessen mit den einzelnen aufgef\u00fchrten Gegenst\u00e4nden einen Bruchteil seines Verm\u00f6gens, eine Verm\u00f6gensgruppe oder sogar sein ganzes Verm\u00f6gen zuwenden wollte (BGH, FamRZ 1972, 561\/563; BayObLG, Beschluss vom 7.6.1994, 1 Z BR 69\/93, zustimmend zitiert in BGH, Urteil vom 16.10.1996, IV ZR 349\/95).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat der Erblasser durch das Testament praktisch sein gesamtes Verm\u00f6gen nach Einzelgegenst\u00e4nden oder Gruppen von Gegenst\u00e4nden (z.B. Geldverm\u00f6gen, Immobilienbesitz, Schmuck) unter den bedachten Personen und Institutionen aufgeteilt, ist in der Regel anzunehmen, dass eine Erbeinsetzung gewollt ist. Denn es kann nicht unterstellt werden, dass der Erblasser \u00fcberhaupt keinen Erben berufen will (BGH DNotZ 1972, 500; BayObLG, Beschluss vom 7.6.1994, 1 Z BR 69\/93; BayObLG FamRZ 1992, 862\/864).<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>So liegt der Fall auch hier. Der Erblasser hat die Beteiligte zu 2) als \u201eErbe \u2026 an (seinem) Verm\u00f6gen\u201c berufen und in diesem Zusammenhang als sein Verm\u00f6gen die Wohnungen im Mehrfamilienhaus \u201e\u2026 in \u2026\u201c genannt. Diese Einsch\u00e4tzung des Erblassers, dass sein Verm\u00f6gen im Wesentlichen aus den Eigentumswohnungen besteht, entspricht den Tatsachen. Nach den Feststellungen des gerichtlich bestellten Nachlassverwalters \u2026 in seinem Bericht vom 13. M\u00e4rz 2024 (Bl. 598 ff.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d.A.), deren Richtigkeit die amtierende Nachlassverwalterin \u2026 dem Senat gegen\u00fcber am 20. Februar 2025 best\u00e4tigt hat, macht der Immobilienbesitz des Erblassers (gesch\u00e4tzter Wert von 850.000 Euro abz\u00fcglich Darlehensverbindlichkeiten i.H.v. rund 400.000 Euro) gegen\u00fcber dem Schlie\u00dffachinhalt von rund 3.000 Euro und einem Kontoguthaben von rund 60.000 Euro den weit \u00fcberwiegenden Nachlasswert aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die zwischenzeitlich bekannt gewordenen Wald- und Moorgrundst\u00fccke des Erblassers fallen nach Auskunft der Nachlassverwalterin Jung betragsm\u00e4\u00dfig nicht ins Gewicht. Die testamentarische Berufung der Beteiligten zu 2) zur Erbin der Wohnungen des Erblassers in D. ist rechtlich als Alleinerbenbestellung auszulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">III.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Eine Kostenentscheidung f\u00fcr die Gerichtskosten zweiter Instanz ist nicht zu treffen, weil sich die Pflicht zur Tragung von Gerichtskosten bereits aus dem Gesetz ergibt. Die erfolgreiche Beschwerde der Beteiligten zu 2) ist nach \u00a7\u00a7 25 Abs. 1, 22 Abs. 1 GNotKG gerichtskostenfrei. Die Beteiligte zu 2) hat gem\u00e4\u00df \u00a7 22 Abs. 1 GNotKG allerdings die gerichtlichen Kosten ihres eigenen Erbscheinantrags zu tragen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beteiligten zu 1) fallen als unterlegene Partei gem\u00e4\u00df \u00a7 81 Abs. 1 Satz 1 FamFG die gerichtlichen Kosten des amtsgerichtlichen Verfahrens einschlie\u00dflich der Kosten der vom Amtsgericht durchgef\u00fchrten Beweisaufnahme zur Last. Die Beteiligte zu 1) hat dar\u00fcber hinaus der Beteiligten zu 2) die ihr in beiden Instanzen entstandenen notwendigen Aufwendungen zu erstatten.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Voraussetzungen f\u00fcr eine Zulassung der Rechtsbeschwerde nach \u00a7 70 Abs. 2 Satz 1 FamFG liegen nicht vor, weil die entscheidungserheblichen Rechtsfragen h\u00f6chstrichterlich gekl\u00e4rt sind.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Beschwerdewert entspricht gem\u00e4\u00df \u00a7 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Satz 2 GNotKG dem gesch\u00e4tzten Nachlasswert im Zeitpunkt des Erbfalles unter Abzug der vom Erblasser herr\u00fchrenden und nachgewiesenen Verbindlichkeiten.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-accordion alignnone\"><div class=\"kt-accordion-wrap kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 kt-accordion-has-5-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-basic kt-accodion-icon-side-right\" style=\"max-width:none\"><div class=\"kt-accordion-inner-wrap\" data-allow-multiple-open=\"false\" data-start-open=\"none\">\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-panePOSTID_pane-1\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Muss ein Schriftgutachten die Echtheit eines Testaments vollst\u00e4ndig beweisen?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Ein Schriftgutachten ist ein wichtiges Beweismittel, aber das Gericht muss den gesamten Verfahrensstoff w\u00fcrdigen. Wenn das Gutachten einzelne Teile sicher zuordnet und keine konkreten F\u00e4lschungshinweise bestehen, kann die Gesamtw\u00fcrdigung zur \u00dcberzeugung von der Echtheit f\u00fchren.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-2 kt-panePOSTID_pane-2\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Welche Beweisanforderungen gelten bei einem handschriftlichen Testament?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht braucht volle richterliche \u00dcberzeugung, aber keine absolute Gewissheit. Es gen\u00fcgt ein f\u00fcr das praktische Leben brauchbarer Grad an Sicherheit, der vern\u00fcnftige Zweifel zum Schweigen bringt. Rein theoretische M\u00f6glichkeiten einer F\u00e4lschung reichen nicht aus.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-3 kt-panePOSTID_pane-3\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Warum half der Lebensgef\u00e4hrtin die Beschwerde?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OLG D\u00fcsseldorf sah das Testament trotz eingeschr\u00e4nkter Begutachtungsm\u00f6glichkeiten als echt an. Ma\u00dfgeblich waren die wahrscheinliche Echtheit von Unterschrift und Namenszug, das einheitliche Schriftbild und das Fehlen konkreter Manipulationshinweise. Deshalb wurde der Erbscheinsantrag der Lebensgef\u00e4hrtin als begr\u00fcndet angesehen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-4 kt-panePOSTID_pane-4\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Ist die Zuwendung einzelner Wohnungen immer nur ein Verm\u00e4chtnis?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zwingend. Zwar spricht \u00a7 2087 Abs. 2 BGB im Zweifel f\u00fcr ein Verm\u00e4chtnis, wenn nur einzelne Gegenst\u00e4nde zugewandt werden. Wenn diese Gegenst\u00e4nde aber praktisch den wesentlichen Nachlass darstellen und der Erblasser den Bedachten als \u201eErbe\u201c bezeichnet, kann eine Erbeinsetzung vorliegen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-5 kt-panePOSTID_pane-5\"><div class=\"kt-accordion-header-wrap\"><button class=\"kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show\" type=\"button\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title-wrap\"><span class=\"kt-blocks-accordion-title\">Was bedeutet die Entscheidung f\u00fcr Erbscheinsverfahren?<\/span><\/span><span class=\"kt-blocks-accordion-icon-trigger\"><\/span><\/button><\/div><div class=\"kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden\"><div class=\"kt-accordion-panel-inner\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachlassgerichte m\u00fcssen alle Umst\u00e4nde sorgf\u00e4ltig zusammen betrachten. Sie d\u00fcrfen ein Testament nicht allein deshalb verwerfen, weil ein Gutachten wegen fehlenden Vergleichsmaterials nicht den gesamten Text pr\u00fcfen kann. Wer die Echtheit bestreitet, sollte konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr F\u00e4lschung oder Manipulation vortragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<style class=\"advgb-styles-renderer\">.kb-image352_a7c4e9-81 .kb-image-has-overlay:after{opacity:0.3;}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 .kt-accordion-inner-wrap{column-gap:var(--global-kb-gap-md, 2rem);row-gap:0px;}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 .kt-accordion-panel-inner{border-top:0px solid transparent;border-right:0px solid transparent;border-bottom:0px solid transparent;padding-top:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);}.kt-accordion-idPOSTID_e7e84a-43 > .kt-accordion-inner-wrap > .wp-block-kadence-pane > .kt-accordion-header-wrap > .kt-blocks-accordion-header{border-top:5px solid var(--theme-palette-color-8, #ffffff);border-right:5px solid 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